NEFZ, WLTP, RDE – oh jemine: Die Einführung der neuen Abgasnorm Euro 6d-Temp und des neuen Messzyklus WLTP sorgt bei Autoherstellern, -händlern und -kunden für rauchende Köpfe und angesichts der neuen Begriffe auch für fragende Blicke. Darum gehts: Ab sofort werden Verbrauch und Emissionen von Personenwagen nicht mehr nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) gemessen, sondern nach dem WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) ermittelt. BLICK weiss, was das für Schweizer Autofahrer bedeutet.

Warum wird das neue WLTP-Messverfahren eingeführt?

Die seit dem 1992 eingeführten NEFZ-Verfahren auf dem Prüfstand gemessenen Verbräuche und Emissionen werden in der Praxis oft deutlich überschritten. Grösstes Manko der NEFZ-Messung: Die Hersteller konnten tricksen, um die Verbräuche tief zu halten. Legale Schummeleien wie abgeklebte Fugen, maximal aufgepumpte Sparreifen oder Leichtlauföle liessen die Abweichung zwischen Norm- und Praxisverbrauch in den letzten Jahren auf teils über 40 Prozent steigen! Mit dem WLTP-Messverfahren sollen die Verbrauchsangaben wieder deutlich realitätsnäher werden.

Wie unterscheidet sich der neue WLTP vom alten NEFZ-Messzyklus?

Verbrauch und Emissionen werden zwar weiter unter Laborbedingungen ermittelt, der Einfluss der Aerodynamik und von Zusatzgewicht durch Optionen wird aber stärker berücksichtigt. Zudem ist der neue Prüfzyklus dynamischer: Durchschnittstempo und Höchstgeschwindigkeit erhöhen sich, und die gefahrene Strecke wird länger (siehe Tabelle unten).

 (BLICK)


Werden die Verbrauchsangaben mit WLTP realistischer?

Da das WLTP-Messverfahren auf die Eigenschaften moderner Autos angepasst wurde, geht das Bundesamt für Strassen (Astra) davon aus, dass sich die Abweichung von Norm- zu Realverbrauch etwa halbiert – von derzeit 42 auf rund 20 Prozent. Die Differenz wird also deutlich kleiner, doch ganz verschwinden wird sie auch mit dem neuen, strengeren Messverfahren nicht. Mit ein Grund: Die Klimaanlage bleibt auch beim WLTP-Test ausgeschaltet.

Welche Norm tritt mit WLTP wann in Kraft?

Mit der Einführung des WLTP-Messverfahrens treten gestaffelt auch neue Abgas-Normen, welche die alte Euro 6b-Norm ablösen, in Kraft: Bereits seit September 2017 gilt für neue Fahrzeugmodelle – also neu entwickelte oder überarbeitete Modelle – die Übergangsnorm 6c . Diese Norm müssen nun seit 1. September 2018 alle (!) in die Schweiz importierten Neuwagen erfüllen. Ab September 2019 tritt dann die Euro 6d-Temp-Norm in Kraft, bei der die Autos zusätzlich im realen Strassenverkehr geprüft werden. Die dabei ermittelten «Real Drive Emissions» (RDE) werden mit Einführung der definitiven Euro 6d-Norm zum 1. Januar 2021 dann nochmals stärker gewichtet. Im Übrigen müssen sämtliche Autos nach WLTP geprüft werden: Diesel, Benziner, Erdgas-, Hybrid-, Brennstoffzellen- und Elektroautos.

Darf ich nur noch ein nach WLTP getestetes Auto immatrikulieren?

Jein. Neuwagen dürfen nur noch importiert werden, wenn sie mindestens die Euro-6c-Abgasnorm erfüllen. Neuwagen oder Occasionen, die vor dem 1. September 2018 importiert wurden, müssen aber nicht neu geprüft und dürfen jederzeit in Verkehr gesetzt werden. Bei Occasionen gilt: Um Strafsteuern zu umgehen, darf der Gebrauchtwagen in der Regel laut Homologation höchstens 130 g/km CO 2 ausstossen – dies ist aber auch gewichtabhängig. Um bei Autos, die einen höheren Verbrauch aufweisen und somit mehr CO 2 ausstossen, nicht extra draufzuzahlen, müssen zwischen der Ersteinlösung im Ausland und dem Import in die Schweiz mindestens sechs Monate vergehen. Erst dann gilt das Auto als Occasion und ist nicht mehr steuerpflichtig. Genaue Infos unter: www.vfas.ch .

Zahle ich wegen des WLTP höhere Motorfahrzeug-Steuern?

Pauschal lässt sichs nicht beantworten, da die Regelungen von Kanton zu Kanton variieren. Severin Toberer vom Strassenverkehrsamt Zürich: «Möglich ist, dass es eine Veränderung bei der Anzahl rabattberechtigter Fahrzeuge geben wird.» Dies, weil der Normverbrauch durch den WLTP meist ansteigen wird. Diverse Kantone kennen solche Rabattsysteme auf energieeffiziente Fahrzeuge.

Kann ich noch einen Diesel kaufen, ohne Fahrverbote zu befürchten?

Viele Händler und Importeure haben ihre Lager aufgrund der Umstellung auf WLTP prall gefüllt – bei noch nach NEFZ geprüften Modellen winken dicke Rabatte. Aber Achtung: Um Fahrverbote in deutschen Innenstädten zu umgehen, sollten nur Autos gekauft werden, welche die neue Euro-6d-Temp-Norm erfüllen. Für alte Euro-4- oder -5-Diesel gelten schon Fahrverbote in gewissen Hamburger Strassen; voraussichtlich ab Herbst 2019 dürfen Euro-6b-Diesel dann nicht mehr in Stuttgart fahren.

Haben alle Hersteller schon auf die neue Abgasnorm umgestellt?

Noch haben längst nicht alle Autobauer ihre gesamte Fahrzeugflotte neu zertifiziert. Besonders VW und die VW-Konzernmarken Audi, Seat, Skoda und Porsche haben Probleme, alle Motor-Getriebe-Ausstattungs-Varianten auf die neue Norm umzustellen: Käufer von VW-Konzernmodellen müssen mit zum Teil monatelangen Wartezeiten rechnen. Andere wie PSA (Peugeot/Citroën/DS/Opel), Renault oder Volvo haben bereits alle Modelle homologiert. Einen Überblick über alle bis jetzt zugelassenen Autos gibts unter: www.tcs.ch/de/testberichte-ratgeber/ratgeber/umwelt-mobilitaet .