Wie ein Stein fiel «Tante Ju» vom Himmel. Der Nostalgie-Flieger Ju-52 war am Samstag gegen 16.50 Uhr am Piz Segnas im Kanton Graubünden zerschellt. Alle 17 Passagiere und die drei Besatzungsmitglieder kamen beim Absturz ums Leben.

Das Flugzeug prallte «nahezu senkrecht mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden» , wie Daniel Knecht, Sprecher der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) erklärte. Noch ist die Ursache unklar. Die Hitze ist es laut Knecht jedenfalls nicht.

Ab 15 Grad Tragflächen-Winkel wird es kritisch

Aviatik-Experten wie Hansjörg Egger bringen den sogenannten Strömungsabriss als mögliche Absturzursache ins Spiel. «Dann ist ein Flugzeug nicht mehr flugfähig und saust senkrecht in die Tiefe», so Experte Egger gegenüber BLICK .

Was aber steckt physikalisch dahinter?

Die Tragflächen eines Flugzeugs zerteilen die Luft. Der eine Teil fliesst auf der Oberseite des Flügels entlang, Sog entsteht. Die anderen Luftteilchen werden unter die Tragfläche gepresst und drücken sie nach oben. Somit gibt es Auftrieb und der Flieger steigt.

Voraussetzung dafür sind eine gewisse Geschwindigkeit und der Winkel, in welchem der Flugwind auf die Tragflächen trifft. Ab 15 oder mehr Grad wird es bei den meisten Flügel-Bauweisen kritisch. Denn dann kann die Luft nicht mehr auf der Flügeloberseite entlangstreichen.

Strömungsabriss bei geringer Geschwindigkeit möglich

Man kann sich das so vorstellen, als würden die Luftteilchen aus der Bahn geworfen und dann wirr herumpurzeln. In der Aviatik beschreibt man das so: Der Luftstrom über dem Flügel verwandelt sich in Luftwirbel hinter der Tragfläche und damit in Turbulenzen. Kurz: Strömungsabriss. Der Auftrieb stirbt rasch ab und die Maschine rast nach unten.

Besonders häufig ist dieses Phänomen, wenn Flugzeuge steigen, weil sich dann der Winkel zum anströmenden Wind automatisch vergrössert. Es kann aber auch in anderen Fluglagen passieren – beispielsweise, wenn das Flugzeug plötzlich langsamer wird.

Oder nach einer scharfen Kurve, wie Aviatik-Experte Egger meint. Laut einem Militärpiloten aus der Region, den der « Tages-Anzeiger » als Augenzeugen zitiert , hatte die Ju-52 tatsächlich zu einer Linkskurve angesetzt. Dann sei sie abrupt nach links vorne weggekippt.

Häufig schaffen es die Piloten noch, den Flieger hochzuziehen. Allerdings benötigen sie dafür auch die entsprechende Höhe. Dies hatte «Tante Ju» nicht. Aviatiker Egger: «In den Bergen fliegt die Ju in geringer Höhe über dem Boden. Da bleibt keine Zeit, die Maschine abzufangen.»