Zwei russische Kosmonauten werden am heutigen Mittwoch eine Antenne auf der Internationalen Raumstation (ISS) anstöpseln – und damit eine Revolution auslösen. Dies erhofft sich jedenfalls die Wissenschaft.

Von den Daten, die die Weltraum-Antenne empfangen und senden wird, erwartet man sich «revolutionäre Erkenntnisse über das Leben, Verhalten und Sterben der Tiere auf unserem Planeten». So heisst es auf der Website des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im deutschen Konstanz. Das Institut koordiniert das Gross-Projekt mit dem Namen Icarus.

Bisher sind Sender zu gross für viele Tiere

Das Kürzel steht auf Deutsch für «Internationale Zusammenarbeit für Tierforschung unter Nutzung des Weltraums». Nach einer Testphase wird die Icarus-Antenne aus der ganzen Welt Daten empfangen und dann hinab in eine Datenbank schicken.

Die Daten stammen von Mini-Sendern, die an Elefanten, Vögeln, Raubtieren oder Schildkröten befestigt sind. Künftig wohl auch an Insekten.

Zwar versehen auch jetzt schon Forscher Tiere mit Sendern, um etwa Wanderungsbewegungen nachzuvollziehe n. Bisher ist das aber recht kompliziert, die Sender für viele Tiere zu gross und zu schwer.

«Andere Möglichkeiten, die Welt wahrzunehmen»

«Das Icarus-System soll es vereinfachen, Tiere mit Sendern weltweit ständig und aktuell zu lokalisieren», sagt Michael Schaad (41) von der Vogelwarte Sempach. «Wenn das klappt, ist es ein Riesen-Erfolg!» Denn mit den Sendern, die nebst GPS- etwa auch Temperatur- und Beschleunigungsdaten schicken, werden die Tiere nämlich zu einer Art Warnmelder auf Hufen oder mit Flügeln.

«Tiere haben andere Sinnesorgane und Möglichkeiten, die Welt wahrzunehmen», sagt Biologe Schaad. Der Schweizerische Erdbebendienst etwa bekommt nach Beben in der Schweiz immer wieder Meldungen von Menschen, «die ungewöhnliches Tierverhalten im Zusammenhang mit Erdbeben beschreiben.» Wissenschaftlich konnte dies noch nicht nachgewiesen werden.

Smartphone-Besitzer können mitforschen

Mit Icarus könnte dies nun vielleicht klappen. Projekt-Leiter Martin Wikelski (52) hatte auf dem italienischen Vulkan Ätna die Bewegung von Ziegen beobachtet. Nun sagt er: «Wir können bereits unsere Daten nutzen, um Naturkatastrophen – retrospektiv – vorherzusagen.» Jetzt baue man ein Echtzeitsystem auf. Auch Rückschlüsse auf die Ausbreitung von Krankheiten und Auswirkungen des Klimawandels sollen mit Icarus möglich sein.

Dabei kann jeder Mensch mit Smartphone helfen. Sieht man ein Tier, das einen Sender trägt, kann man die eigenen Beobachtungen mit der «Animal Tracker App» dokumentieren und so den Forschern zugänglich machen.