In meinem nächsten Leben komme ich als Katze zur Welt: Bis zu 16 Stunden verbringe ich schlafend oder in meditativer Stille. Fast sechs Stunden widme ich meiner Körperpflege – selbst nach einem Spaziergang im Regen dufte ich angenehm, ganz anders als ein nasser Hund.

Dazwischen wird gefressen, gejagt oder gespielt. Was immer ich tue – selbst wenn ich bei einem gewagten Sprung auf die Nase falle – es ist immer von gelassener Eleganz. Mich umgibt diese geheimnisvolle Grazie, die Menschen vor mir niederknien lässt. Ich bin weich und sanft, aber nicht leicht zu haben, man muss mich erobern. Erst dann darf man mich streicheln, meine Hingabe zeige ich mit Schnurren. Diplomatie ist mir fremd, wenn mir was nicht passt, bin ich weg.

 (DUKAS)

Hunde haben Meister, Katzen lassen sich bedienen

Natürlich würde ich mir als Katze ein schönes Daheim wünschen, so eines wie es mein Kater Wuschel hat. Bekanntlich haben Hunde Meister – Katzen lassen sich bedienen. Jeden Wunsch versuche ich ihm von seinen unergründlichen Augen abzulesen oder seine «Miaus» zu interpretieren.

Böse Zungen behaupten, dass die eleganten Vierbeiner egoistisch sind und uns Menschen nur als Dosenöffner betrachten. Mit solchen Fragen setzten sich sogar Verhaltensforscher auseinander, unlängst an der Universität des US-Bundesstaats Oregon. Dort liess man bei einem Versuch 50 Katzen vorübergehend ohne Essen, Spielzeug oder menschlichen Kontakt. Über die Hälfte der Katzen wählte daraufhin zuerst Nähe – das Fressen kam nachher.

Für wahre Katzenversteher ist das keine Überraschung: Büsi sind die beliebtesten Haustiere in der Schweiz – in jedem vierten Haushalt lebt eine Mieze. 1,6 Millionen bevölkern unser Land, eine Schätzung, denn nur ein Drittel ist per Chip registriert. Weit über die Hälfte der Stubentiger sind von der Rasse Europäische Hauskatze.

Gezielte Rassenzüchtung ist ein relativ junges Phänomen

Erst vor 200 Jahren hat man damit begonnen, Rassekatzen zu züchten. Beliebt sind die gutmütigen Riesenkatzen Main-Coon oder die flauschigen Britisch Kurzhaar, Letztere haben in der Hitparade der Katzenfutter-Werbung längst die flachnasigen Perser überholt. Popstar Taylor Swift hält sich eine modische Faltohrkatze, süss aber zweifelhaft, leiden diese Kätzchen doch auffallend oft an Ohrenentzündungen.

Diesbezüglich haben es Katzen übrigens eindeutig besser als Hunde, sie sind längst nicht so hochgezüchtet. Kaum vorstellbar, dass jeder Hund – vom Chihuahua bis zum Bernhardiner – vom Wolf abstammt. Da sind unsere Stubentiger der Wildnis nicht nur äusserlich einen Sprung näher, das ist wissenschaftlich belegt: Das Erbgut von Hauskatzen unterscheidet sich nur um wenige Gene von der Wildkatze. Kein Wunder, beglücken die Stubentiger uns gerne mit angeknabberten Mäusen.

Als Gottheit verehrte Mäusejäger

Ein Talent, das wir heute weniger schätzen, doch vor 10’000 Jahren war genau das der Beginn einer innigen Freundschaft. Als die Menschen sich erstmals als Siedler niederliessen, machten sich die Katzen als geschickte Mäusejäger nützlich. Im alten Ägypten wurden die eleganten Tiere als Gottheit verehrt, und auch im alten Orient wurden sie geliebt: So soll der Prophet Mohammed den Ärmel seines Gewandes ohne zu zögern abgeschnitten haben, um seine schlafende Katze Muezza nicht aufzuwecken. Schwieriger wurde es im christlichen Mittelalter: Katzen wurden mit Hexerei in Verbindung gebracht und wie Hexen gefoltert und verbrannt.

Inzwischen hat sich die Mieze ihren Platz in unserer Gesellschaft längst gesichert – allein mit Katzenvideos hat sie sich in Millionen von Herzen geschlichen. Anschmiegsam und zugleich unabhängig passt sie zum heutigen Zeitgeist, in immer mehr Singlehaushalten ist sie der perfekte Begleiter. Sie blickt einem nicht mit traurigem Hundeblick nach, wenn man morgens zur Arbeit geht, und abends wird nicht gewedelt. Katzen begrüssen mit hochgestelltem Schwanz und hoheitsvollem Miau.

Schnurren ist Balsam für unsere Seelen

Das höchste Glück ist, wenn sich das Büsi auf unseren Bauch legt und schnurrt. Sie können das ununterbrochen ohne sichtlich Luft zu holen, 1200-mal pro Minute oder anders ausgedrückt mit einer Frequenz von 25 Hertz. Die wohligen Laute tun der Seele und dem Körper gut. Im menschlichen Gehirn wird das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet, der Blutdruck sinkt, und das Herzinfarktrisiko ist tiefer. Neuere Studien belegen, das die Vibration den Selbstheilungsprozess bei Knochenbrüchen anregt.

Katzen tun sich mit dem Schnurren auch selber was Gutes: «Wahrscheinlich beruhigen sie sich, etwa beim Tierarzt auf dem Untersuchungstisch», vermutet der Katzenexperte Dennis C. Turner. Das sei aber nicht erwiesen. Es bleibt – wie so vieles bei den eleganten Tieren – ein Geheimnis.