A wie Alpfahrten

Alpabfahrten sind Schweizer Brauchtum in seiner schönsten Form. Wenn sich Menschen und Tiere schmücken und unter dem Jubel der Dorfgemeinschaft wieder von der Alp heruntersteigen, wird eine jahrhundertealte Tradition gefeiert. Etwa 400 000 Rindviecher und 200 000 Schafe weiden in der Sommersaison in den Bergen – dementsprechend viel los ist dann im September bei den Alpabfahrten. Bis in die Ferne bekannt ist mittlerweile das farbenfrohe Brauchtum im Appenzellerland (genaue Daten unter www.appenzell.ch ). Tipp: Ebenso altehrwürdig ist die Alpabfahrt im Entlebuch, bei dem es im Dorf Schüpfheim zudem Marktstände und Sennenbrauchtum zu erleben gibt (29. September). www.alpabfahrt.ch

B wie Bär

Bären sind faszinierende Tiere – und ein Politikum. Kaum kommt Meister Petz von Italien über die Grenze getrottet, jubilieren die einen und fürchten die anderen um das Leben von Vieh und Kindern. Dementsprechend gross war das (Medien)-Interesse an der Eröffnung des «Arosa Bärenlands» Anfang August, dem ersten Schutzzentrum für misshandelte Bären in der Schweiz. An der Mittelstation der Luftseilbahn Arosa- Weisshorn wurde in Zusammenarbeit mit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten ein 2,8 Hektar grosses Gehege angelegt, das insgesamt fünf Bären ein artgerechtes Zuhause bietet.

Ein Bär ist schon eingezogen – und hat alle Herzen im Sturm erobert: Napa, der letzte Zirkusbär Europas. Jahrelang hat das Tier in Käfigen auf dem Gelände eines serbischen Zirkus gehaust, bis er im Juli in die Schweiz gebracht wurde. Nun tappt das Fellknäuel (sein Opa war ein Eisbär) glücklich durch die Bündner Bergwelt. «Als Napa ankam, war er es nicht gewöhnt, selbst sein Fressen zu suchen», so Chef- Tierpfleger Nico Schädler (26). «Nun verhält er sich schon fast wie ein richtiger Bär. Darüber sind wir sehr glücklich.» Napa kann man von einer Aussichtsplattform beobachten, zudem gibt es eine Ausstellung zur Arbeit von Vier Pfoten und neu ein Bären-Minigolf und ein Erlebnisspielplatz. www.arosalenzerheide.swiss

C wie Chilbi

Wenn im Herbst die Älpler mit Vieh, Käse und Butter von den Alpen ins Tal ziehen, gibt es viele Gründe zum Feiern – und zum Danken. Die Sennenoder Älperchilbis sind aus religiösen Erntedankfesten entstanden. Zudem haben sich in jeder Gemeinde unterschiedliche Traditionen herausgebildet: Trachtenumzüge, Fahnenschwingen, Jodeln und Alphornblasen sind oft Bestandteil der Feierlichkeiten. Besonders farbenfroh werden die Chilbis im Oktober in der Zentralschweiz gefeiert. Tipp: Die letzte Chilbi des Jahres wird in Beckenried NW begangen.

E wie Elm

Das Glarner Örtchen Elm ist zwei Mal im Jahr der Schauplatz eines besonderen Sonnenspektakels. Jeweils im Frühling und im Herbst scheint die Sonne durch das Martinsloch (ein Felsenfenster im grossen Tschingelhorn) direkt auf die Ortskirche. Am 30. September und am 1. Oktober um 9.31 Uhr findet das Spektakel statt – für 2 Minuten! Wer rechtzeitig an der Kirche ist, wird von einem Ortskundigen zum besten Beobachtungsstandort geführt. www.elm.ch

H wie Herbstmesse

Auf das Mittelalter zurück geht die Tradition der Herbstmessen: Als das Produktionsjahr zu Ende ging, zeigte man, was man hatte. Die Herbstmesse in Basel (27.10.–11.11.), die Lozärner Määs (6.–21.10.) und die 75-jährige Olma in St. Gallen (11.–21.10.) sind die grossen Kracher der Saison. Tipp: Passend zur althergebrachten Tradition zeigt der Mittelaltermarkt auf Schloss Lenzburg altes Handwerk und selbst gemachte Produkte. 14. bis 16. September. www.schloss-lenzburg.ch

I wie Indian Summer

Zu keiner Zeit sind Bäume schöner als im «Indian Summer», die Zeit farbenprächtiger Wälder und sonnenreicher Tage. Gewusst? Das Kraftwerk der Bäume ist das grüne Chlorophyll, das Lichtenergie in Nährstoffe umwandelt. Nimmt die Sonne im Herbst ab, schalten die Bäume auf Sparflamme und lagern Blattgrün in den Wurzeln für nächstes Jahr. Übrig bleiben gelbe und rote Farbstoffe.

G wie Gemmi

800 Schafe rempeln, rennen, blöcken und schupsen. Es ist ein heilloses Durcheinander – und für jeden Tierliebhaber ein grenzenloser Spass: der Schafabzug von der Gemmi hinunter nach Leukerbad über den wohl schönsten Passweg der Schweiz, den Gemmiweg. In der senkrechten Felswand schlängelt sich der Pfad etwa 1000 Meter in die Tiefe – manchmal schmaler als ein Trottoir. Und an diesem Tag teilen sich den Weg Tier und Bauern. Das ist nicht ungefährlich: manchmal stürzt ein Tier auf die Klippen. Die Schafe haben sich während der Sommersaison mit Alpengras und Kräutern vollgefressen und werden nun zum Schlachten geführt. Kenner behaupten: die aromatische Kost gebe besonders köstlichen Lammbraten. Tipp: Wer das ganze Spektakel erleben will, sollte am Ende der Schafe mit ins Tal laufen. Aber: Die Tiere haben ein hohes Tempo drauf. 9. September. www.leukerbad.ch

K wie Käse

Luzern wird in diesem Jahr zur Käsehauptstadt der Schweiz. Denn am Vierwaldstättersee finden dann die 11. Schweizer Käsemeisterschaften (Swiss Cheese Awards) statt. Etwa 900 Käse werden in 28 Kategorien prämiert. Für Besucher besonders interessant: am Käsemarkt am Schweizerhofquai präsentieren 70 Käseproduzenten mehr als 500 Sorten. 28. bis 30. 9. www.cheese-awards.ch

L wie Light Ragaz

Bei der Kunstinstallation «Light Ragaz» wird die 80 m hohe Taminaschlucht SG zur riesigen Leinwand. Mit Projektionen und 3D-Animationen werden Elementargeister lebendig: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Der Rundgang durch die Schlucht dauert etwa eine Stunde. Bis 30. September. www.heidiland.com

N wie Nebel

Im Herbst liegen Freud und Leid oft nahe beisammen: Im Tal hängt die Nebelsuppe, darüber lacht die Sonne. Das Phänomen liegt an einer Umkehrung der normalen Wettererscheinung, einer sog. Inversionswetterlage. Am Boden klebt kalte Luft, in der sich die Feuchtigkeit zu Nebel kondensiert, darüber schwebt eine warme Schicht, in welcher keine Wolken entstehen. Tipp: Wer eine Lichttherapie braucht, sollte sich für einige Zeit über dem Nebel einquartieren. Beispielsweise im Gipfelhotel Niesen Kulm mit Blick über den Thunersee.

O wie Oliven

Ja, auch die Schweiz gehört zu den Olivenölproduzierenden Ländern! Um Lugano reifen die einzigen Oliven der Eidgenossenschaft, die zur Verarbeitung taugen. Die Ausbeute ist mit etwa 150 Litern freilich gering, dennoch wird mit dem Olivenanbau eine lange Tradition fortgeführt. Seit dem Mittelalter wurden die Früchte zur Gewinnung von Lampenöl angebaut. Erst seit den 90er-Jahren begannen einige Enthusiasten wieder mit dem Pflanzen neuer Bäume. Einen Einblick in die Geschichte des Olivenanbaus im Tessin gibt der «Sentiero dell’oliv», der Olivenweg bei Gandria. Auf 3 Kilometern vermitteln 18 Tafeln Wissenswertes zur grünen Frucht. Die Olivenernte findet Ende Oktober statt – manchmal kann man auch mithelfen. Genaues Datum: www.luganoregion.com

P wie Panorama

Wo ist der Herbst in der Schweiz am schönsten? Darüber liesse sich trefflich streiten. Das Engadin nimmt aber sicherlich einen Spitzenplatz ein: Die orangen Lärchenwälder, die blauen Seen und das sonnige Wetter liefern Schweizer Panorama vom Feinsten. Unser Tipp ist eine Wanderung vom Bergrestaurant Muottas Muragl zur Segantini-Hütte, wo der berühmte Maler starb. Die 6 Kilometer lange Wanderung ist eine Panorama-Wucht. www.engadin.stmoritz.ch

R wie Räbelichtli

Der Räbeliechtli-Umzug in Richterswil ZH gilt als der grösste Europas. Die Richterswiler verbrauchen etwa 28 Tonnen Räben, mehr als 50 000 Stück pro Jahr! Die weiss-rosa Wurzeln schmücken nicht nur die Häuser, sie werden vor allem genutzt, um grosse Bilder und Themenwagen zu beleuchten. An den Umzügen mit mehr als 1000 Teilnehmern werden etwa 40 verschiedene Sujets gezeigt. 10. November, 18:30 Uhr.

S wie Spielplatz

Seit diesem Sommer können sich Kinder am Walensee über den grössten Themenspielplatz der Schweiz freuen. Das «Spielerlebnis Walensee» erzählt die Geschichte von Mara, die dem Geheimnis eines Geisterschiffs auf die Spur kommt. Kinder können nun an fünf Erlebnis- Spielplätzen, die um den ganzen See verteilt sind (hin und her gehts per Schiff), einem Themenweg und auf den Kursschiffen den Hinweisen nachgehen und das Geheimnis lüften. Das Rätsel ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Während die Benutzung der Spielplätze kostenlos ist, wird für das Knobeln ein Entdecker-Set benötigt (ab 19.90 Fr., inkl. Schiffsbillette). Für die Aufgabe werden zwei Tage benötigt.

T wie Trüffel

Auch in der Schweiz wachsen Trüffel. Zwar erreichen Schweizer Trüffel im internationalen Vergleich keine Spitzenpreise – ein grosses Geheimnis um die Fundplätze der Edelknollen machen die Trüffelsucher dennoch. Das «Trüffeln» ist in der Schweiz allerdings nicht mehr als ein Hobby mit Herzblut. Gesucht werden die Burgunder Trüffel, die von September bis Dezember geerntet werden können, mit abgerichteten Hunden. Eine gute Nase ist auch dringend nötig: Trüffel wachsen an den Wurzeln von Laubbäumen bis zu 50 Zentimeter im Boden. Zentrum der Schweizer Trüffelszene ist das Dörfchen Bonvillars am Neuenburgersee (Trüffelmarkt am 27. Oktober), wo man auch einen Trüffelsucher bei seiner Arbeit begleiten kann. www.yverdonlesbainsregion.ch

W wie Wein

Das wohl sinnlichste Erlebnis des ganzen Herbsts ist die Weinlese, das Keltern der Trauben und der Genuss des ersten Sausers. Weinerlebnisse für Besucher spriessen dann förmlich wie «Trauben aus dem Stamm»: In jeder Weinregion werden Feste und Verkaufsmessen organisiert, Degustationen angeboten oder die Möglichkeit gegeben, selbst bei der Weinlese mitzuwirken. Beispielsweise in den Weinbaugebieten um den Genfersee: www.region-du-leman.ch

Gewusst? Auf 14 748 Hektaren wird in der Schweiz Wein angebaut. Mit 4842 Hektar ist das Wallis der grösste Weinproduzent der Eidgenossenschaft. Die Weinlese liegt bei etwa 100 Millionen Litern – ausser im schlechten Weinjahr 2017. Dieses Jahr verspricht ein Superweinjahr zu werden – auf die Tropfen von 2018 kann man sich also freuen.