BlickPunkt zum Impfrückgang: Lasst. Euch. Impfen!(01:42)

BlickPunkt über Skeptiker, Ängstliche und WütendeLasst. Euch. Impfen!

Wer die Corona-Immunisierung ablehnt, verlängert die Pandemie, stresst die Spitäler und schadet den Geimpften. Deshalb braucht es einen neuen Schub der Bereitschaft.
Christian Dorer, Chefredaktor Blick-Gruppe.
Christian Dorer, Chefredaktor Blick-Gruppe

Die Impfkampagne ist ins Stocken geraten. Wenn jetzt nichts passiert, bleibt die Schweiz bei einer Quote von 60 Prozent hängen – dabei sind 80 Prozent Immunisierte nötig, um das Virus zu stoppen.

Aber wie wäre diese Zahl zu schaffen? Der Verhaltensforscher Gerhard Fehr (50) plädierte im Blick-Interview für «systematische Diskriminierung»: Restaurant-, Konzert-, Sport- und andere Veranstaltungen, bei denen viele Menschen aufeinandertreffen, sollen Geimpften, Getesteten und Genesenen vorbehalten bleiben.

Das mag drastisch klingen – aber Fehr hat recht!

Nichtimpfer machen es sich zu einfach, wenn sie sagen, es sei schliesslich ihre Entscheidung – sie müssten ja auch die Folgen tragen, wenn sie sich infizieren.

Denn sobald ein Skeptiker oder Gegner der Impfung an Covid-19 erkrankt, erwartet selbstverständlich auch er oder sie unverzüglich medizinische Hilfe, einen Platz im Spital und – falls nötig – ein Beatmungsgerät.

Wenn zu viele Nichtimpfer erkranken, können sie Spitäler in die Überlastung treiben. Was natürlich auch Nachteile für Geimpfte hat: weil Operationen verschoben werden müssen, weil im schlimmsten Fall nicht einmal Herzinfarkt-Patienten optimale Hilfe erhalten, weil die Intensivstationen mit Corona-Patienten überlastet sind.

Nichtgeimpfte bieten dem Virus einen dauerhaften Nährboden. Je ungehinderter sich Sars-CoV-2 verbreiten kann, desto grösser ist aber die Gefahr von Mutationen. Im schlimmsten Szenario entstehen Typen des Erregers, gegen die das vorhandene Impfarsenal nichts mehr nützt. Dann stünden wir wieder ganz am Anfang.

Und auch wenn es nicht so weit kommt: Nichtgeimpfte verursachen massive Spannungen in unserer Gesellschaft. Weshalb sollten Geimpfte in alle Ewigkeit Abstandsgebote, Maskenpflicht und Zugangsbeschränkungen erdulden, bloss weil sich manche nicht impfen lassen wollen, obwohl sie könnten?

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen heute und dem Sommer 2020: Vor einem Jahr konnte Corona jederzeit jeden und jede treffen. Das führte zu einer beispiellosen Solidarität. Wir alle schränkten uns ein, um alle anderen zu schützen. Heute kann jeder sein persönliches Risiko mit zwei kleinen Injektionen fast auf null senken.

Nichtimpfer irren übrigens auch in ihrer persönlichen Risikoabwägung. Selbst die schlimmsten Nebenwirkungen einer Immunisierung sind deutlich harmloser als eine mittelschwere Covid-Erkrankung. Und stellen wir uns vor, es gäbe keinen Impfstoff oder niemand würde sich impfen lassen: Wir wären im Dauer-Lockdown!

Natürlich rechtfertigt keines dieser Argumente einen Impfzwang. Aber sie müssten eigentlich genügen, damit sich alle vernünftigen Schweizerinnen und Schweizer freiwillig impfen lassen.

Wer das anders sieht, soll dann eben weiter mit Einschränkungen leben, damit alle anderen ihr früheres Leben zurückbekommen können.