Der Missbrauchs-Skandal rund um Ex-Erzbischof Theodore McCarrick (88) hat weltweit ein Beben der Entrüstung ausgelöst und den Vatikan erschüttert. Der einstige Erzbischof von Washington soll in den 1970er-Jahren einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht haben. Im Sommer wurde der Fall publik. Heute Mittwoch hat der Papst alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der Welt zum Krisengipfel nach Rom eingeladen. Das Treffen aber wird erst kommendes Frühjahr stattfinden – vom 21. bis 24. Februar 2019.

Ende August hatte Erzbischof Carlo Maria Viganò (77), Ex-Vatikan-Botschafter in Washington, deswegen den Rücktritt von Papst Franziskus gefordert. Viganòs Vorwürfe sind schwerwiegend. In einem Schreiben hatte Viganò erklärt, dass der Vatikan bereits 2006 und 2008 über die Missbrauchs-Vorwürfe gegen McCarrick informiert wurde. Somit wusste die katholische Kirche längst vom Treiben ihres hohen Geistlichen.

Vatikan wollte Missbrauchs-Skandal vertuschen

Doch statt den fehlbaren Erzbischof zu Verantwortung zu ziehen, wurde eine Vertuschungs-Manöver gestartet. Zwar wurden gegen McCarrick – noch unter Franziskus' Vorgänger Papst Benedikt XVI. – Sanktionen verhängt, doch mit der Amtsübernahme durch Franziskus wurde diese wieder aufgehoben. McCarrick wurde gar zu einem der engsten Berater des derzeitigen Papstes befördert. Der Skandal zog immer grössere Kreise und mit ihm die Vertuschungsversuche.

Die Situation um den Missbrauchs-Skandal spitzte sich weiter zu, als Erzbischof Viganò Rückendeckung von Monsignore Jean-François Lantheaume, dem früheren Ersten Berater der Vatikan-Vertretung in Washington, bekam. «Viganò sagt die Wahrheit!», so Lantheaume. Eine Reaktion aus dem Vatikan blieb aus. «Ich werde darüber kein Wort verlieren», sagte Papst Franziskus Ende August anlässlich einer Pressekonferenz auf dem Rückflug seines Irland-Besuchs.

1000 Minderjährige von 300 Priestern missbraucht

Bisher hat Papst Franziskus zu den Vorwürfen keine Stellung genommen. Morgen Donnerstag empfängt der Papst im Zusammenhang mit dem Missbrauchs-Skandal die Spitzen der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Kardinal Daniel DiNardo, der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, und Kardinal Seán Patrick O'Malley, Erzbischof von Boston, der zudem die Päpstliche Kinderschutzkommission leitet, sind zur Audienz geladen. Zudem werden auch der Erzbischof von Los Angeles José Horacio Gómez, Vizepräsident der Bischofskonferenz, und Monsignor Brian Bransfield, deren Generalsekretär, zum Treffen mit dem Papst erwartet.

Der Krisengipfel im Februar 2019 steht im Zeichen des «Kinderschutzes», wie «Vatican News» berichtet. Allein im US-Bundesstaat Pennsylvania sollen während der letzten 70 Jahre mindestens 1000 Minderjährige durch rund 300 Priester missbraucht worden sein.