Vigano habe aus Sicherheitsgründen Italien verlassen und in einem geheimen Ort Zuflucht gesucht, berichtete die römische Tageszeitung «Il Messaggero» am Mittwoch.

Vigano, von 2011 bis 2016 Nuntius in Washington, behauptet in seiner Niederschrift, er habe Papst Franziskus bereits im Sommer 2013 persönlich gesagt, der ehemalige Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick habe «Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben» und sei von Benedikt XVI. zu einem zurückgezogenen Leben in Busse «verurteilt» worden.

Hintergrund waren laut Vigano zahlreiche homosexuelle Aktivitäten des prominenten Kardinals. Der frühere Vatikan-Botschafter fordert den Rücktritt des Papstes.

Franziskus hatte am Sonntag gesagt, er habe Viganos Brief gelesen. «Lesen Sie den Brief aufmerksam und fällen Sie Ihr eigenes Urteil«, hatte der Papst den Journalisten gegenüber erklärt. «Wenn etwas Zeit vergangen ist und Sie Ihre Schlüsse gezogen haben, werde ich mich vielleicht äussern», sagte Franziskus. Aus Vatikan-Kreisen verlautete, dass der Papst über Viganos Vorwürfe «verbittert» sei, er hege jedoch keinerlei Rücktrittsabsichten.

Während seines Irland-Besuchs hatte der Papst um Vergebung für den dortigen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche gebeten.

Vatikan soll Bescheid gewusst haben

Pennsylvanias Staatsanwalt Josh Shapiro erklärte unterdessen, er verfüge über Beweise, dass der Vatikan über Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der US-Kirche Bescheid gewusst habe. Er könne aber nicht überprüfen, ob Papst Franziskus selbst Kenntnis von den Verbrechen von Priestern gehabt habe, sagte Shapiro laut Kathpress in der Sendung «Today» des Nachrichtensenders NBC (Dienstag). Seit Bekanntmachung des Reports für die katholischen Diözesen im Bundesstaat Pennsylvania habe es über die Hotline rund 700 weitere Hinweise auf Sexualstraftaten gegeben.

Die Grand Jury machte nach Shapiros Angaben handschriftliche Notizen ausfindig, in denen der Missbrauch in geheimen Archiven detailliert beschrieben worden sei. Kleriker seien vom Bostoner Kardinal Bernard Law gezwungen worden, «alles» zu dokumentieren. Diese Politik bezeichnete der Staatsanwalt als «unerklärlich«. Er beklagte, Kirchenführer hätten «Gemeindemitglieder am Sonntag belogen, die Öffentlichkeit belogen, die Täter vor der Öffentlichkeit geschützt, aber alles dokumentiert und es in Geheimarchive gelegt».

Nach dem, was die Täter den jungen Menschen angetan hätten, sei es bitter zu sehen, wie die Vertuschung vieler Fälle bis zur Verjährungsfrist gelungen sei, so der Generalstaatsanwalt. «Wenn wir irgendeinen Fall vor Gericht bringen können, gegen irgendeinen übergriffigen Priester oder irgendjemanden, der es vertuscht hat, werden wir es tun", sagte Shapiro. (SDA)