Das Enthüllungsbuch «Fear» von «Watergate»-Journalist Bob Woodward ist seit Dienstag im Handel erhältlich. Schon vergangene Woche sorgte das Skandal-Buch über Trumps Präsidentschaft für Riesenwirbel, nachdem die «Washington Post» die einige Auszüge veröffentlichte (Box unten). Das Buch offenbart: Selbst die engsten Mitarbeiter halten Trump für einen Narren!

Wer das ganze Buch liest, erhält noch mehr Informationen zum Innnenleben im Weissen Haus. Besonders die Rolle von Twitter wurde in den Vorauszügen vergangene Woche nicht beleuchtet. Woodward, der über Monate hinweg dutzende Gespräche mit Insidern in Washington führte, schreibt in seinem Buch über einen Wutanfall von Trump im Herbst 2017, der beinahe zum Krieg geführt hätte.

Der Fast-Kriegsauslöser von Trump

Zu jenem Zeitpunkt waren die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea auf dem Höhepunkt. Trump drohte Kim Jong Un im Oktober 2017 mehrfach und lautstark via Kurznachrichtendienst. Das Säbelrasseln nährte weltweit Befürchtungen vor einer Eskalation. Ein Tweet ist aber nie ans Tageslicht gelangt – zum Glück.

Trump wollte nach einem Wutanfall über Twitter den Abzug aller Familienangehörigen der US-Truppen in Südkorea ankündigen. Eine Nachricht, die die Nordkoreaner als Signal für einen bevorstehenden amerikanischen Militärschlag hätten interpretieren können. «Militärs» konnten den US-Präsidenten in letzter Sekunde von dieser Idee und dem Tweet abbringen, schreibt Woodward.

Trump-Tweets stammen oft aus dem präsidialen Schlafzimmer

Allzu oft könne man Trump aber nicht vom Zwitschern stoppen. Die Wut-Tweets des Präsidenten seien oft das Resultat von exzessiven Fernsehkonsums. Mitarbeiter der Regierung hätten schon mehrfach versucht, eine Art Vorkontrolle für die impulsiven Nachrichten Trumps einzuführen – vergeblich.

Reince Priebus, kurzzeitiger Stabschef des Präsidenten, habe gegenüber Mitarbeitern im Weissen Haus Trumps Schlafzimmer als «Werkstatt des Teufels» bezeichnet. Denn es sei das Schlafzimmer des Präsidenten, wo viele Tweet-Ideen geboren werden. Natürlich steht in der präsidialen Suite ein grosser Fernseher, der fast dauernd läuft.

Grosse Nachfrage für «Fear»

Das Enthüllungsbuch von Woodward wurde bereits am ersten Tag zum Bestseller. Auf Amazons Bestseller-Hitparade 2018 belegt «Fear» zurzeit Platz 4. Aufgrund der Berichterstattung in der vergangenen Woche seien die Vorbestellungen durch die Decke gegangen, schrieb CNN. Der Verlag Simon & Schuster habe deshalb bereits eine Million Exemplare des Buches im Voraus gedruckt.

Ex-Mitarbeiter kritisieren Buch als «inkorrekt»

Am Tag der Erscheinung von «Fear» hagelte es auch wieder Kritik. Ex-Wirtschaftsberater Gary Cohn und Ex-Stabssekretär Rob Porter veröffentlichten am Dienstag Erklärungen, in denen sie Woodwards Darstellungen scharf kritisierten und als «falsch» bezeichneten. «Dieses Buch stellt meine Erfahrung im Weissen Haus nicht richtig dar», schreibt Cohn in einer Erklärung. Porter sagte, im Buch würden «Trumps Errungenschaften» gezielt ignoriert. Was genau «inkorrekt» an den Darstellungen Woodwards sei, sagten die beiden Ex-Mitarbeiter aber nicht.