Auf fast 9000 Metern Höhe lauern unbarmherzige Naturgewalten, der menschliche Körper stösst an seine Grenzen. Am Mount Everest gehören Bergrettungen zum Alltag. Nur: Rund 35 Prozent der Helikopterrettungen dieses Jahr waren unnötig, wie die nepalesischen Behörden enthüllen.

Trekkingunternehmen, Hüttenbetreiber und korrupte Bergführer verdienen ihr Geld damit, kerngesunde oder nur minimal angeschlagene Bergsteiger zu überreden, sich vom Everest fliegen zu lassen.

So seien einigen Touristen sogar Abführmittel verabreicht worden, damit sie sich krank fühlten, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Bei einer dieser unnötigen Evakuierungen kam es laut « Luzerner Zeitung » sogar zu einem Todesfall.

Versicherer wollen sich von Everest verziehen

Für die Einsätze blechen müssen die internationalen Versicherer. Oftmals würden Helikopterflüge mehrmals in Rechnung gestellt. Sie haben die Nase voll und stellen der nepalesischen Regierung ein Ultimatum: Wenn die Behörden den Betrügereien kein Ende setzten, würden sie keine Bergsteiger am Everest mehr versichern. Unter den Versicherern sind der britische Traveller Assist und True Traveller sowie Global Rescue aus den USA.

Für den lokalen Tourismus wäre das ein Schlag ins Gesicht. Bis 2020 möchte Nepal die Zahl der Touristen nämlich verdoppeln. Ohne die Versicherer? Unmöglich.

Die Forderung ist begründet. Bei einem Undercover-Einsatz im Auftrag der Versicherer klagte ein Bergsteiger über Kopfschmerzen. Sofort bestellte der Bergführer einen Heli, der ihn ins lokale Spital flog. Kosten für den Einsatz: 12'000 Franken.

Genehmigung für jeden Rettungseinsatz

Anfang September hat die nepalesische Tourismusbehörde nun neue Richtlinien verhängt: Künftig muss jede Bergrettung von der Polizei untersucht werden. Die Versicherungen sind noch nicht zufrieden. Sie fordern, dass jeder Einsatz zuerst abgesegnet werden müsse und nicht mehr als 4000 Franken kosten dürfe.

Doch bleibt im Ernstfall wirklich Zeit, den Einsatz noch von den ausländischen Versicherern genehmigen zu lassen? Die nepalesischen Behörden sind dieser Forderung bisher nicht nachgegangen. Schliesslich war eine Rettung bei der Mehrheit der Fälle tatsächlich erforderlich. (hah)