Was war das mal wieder für eine Woche im Weissen Haus: Am Dienstag erschüttert «Watergate»-Journalist Bob Woodward mit seinem Enthüllungsbuch «Fear» Washington. Einen Tag später lässt die «New York Times» mit einem Gastbeitrag eines ranghohen Mitarbeiters die nächste Bombe platzen. Das Essay mit dem Titel «Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Regierung» deckt das chaotische Innenleben im Weissen Haus schonungslos auf (BLICK berichtete).

Im ganzen Trubel gehen die wegweisenden Halbzeitwahlen (midterms), die in weniger als zwei Monaten anstehen, beinahe vergessen. Dann geht es um die grosse Frage: Kann Donald Trump (72) weiter in Quasi-Eigenregie wirken und sich auf die republikanischen Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus verlassen? Oder: Muss er im dritten und vierten Jahr der Amtszeit plötzlich gegen Blockaden der Demokraten ankämpfen?

Demokraten liegen vorne

Laut Umfragen sind die Demokraten auf dem Vormarsch. Ihnen werden gute Chancen eingeräumt, zumindest eine Mehrheit in einer der beiden Kammern zu erlangen. Und jetzt erhält die Oppositionspartei Unterstützung von ihrem bekanntesten Gesicht: Ex-Präsident Barack Obama (57).

Schon Anfangs August veröffentlichte Obama auf Twitter eine Liste mit den Namen von 81 Parteikollegen , die am 6. November entweder um einen Sitz im Senat oder Repräsentantenhaus kämpfen. Jetzt geht der Ex-Präsident noch einen Schritt weiter: Am heutigen Freitag hält er eine Rede an der University of Illinois in der US-Stadt Urbana. Es soll der Startschuss zu einer Serie von Wahlkampfauftritten von Obama sein.

Obama will Wähler wachrütteln

Welche Botschaft wird der redegewandte Ex-Präsident vermitteln? Gemäss einer Sprecherin werde Obama seine Anhänger zur Teilnahme an den Kongresswahlen aufrufen. Er wolle die Demokraten darauf aufmerksam machen, dass diese Halbzeitwahlen besonders wichtig seien, da «die Gefahr für unser Land zu gross ist, als dass die Wähler sie aussitzen könnten».

Natürlich spielt Obama damit auf Donald Trump an. Schon Anfangs August giftelte er gegen seinen Nachfolger, als er auf Twitter davon schrieb, dass die demokratischen Kandidaten «unsere Chancen, Allianzen und Ansehen wiederherstellen» würden.

Obama soll mit seinen Wahlkampfauftritten den Funken definitiv auf die Wähler überspringen lassen. Denn allen Umfrageergebnissen zum Trotz: Wenn die Demokraten erneut nicht zahlreich an die Urne gehen, setzt es am 6. November die nächste herbe Schlappe ab.