«Alle reden davon, wie wichtig es ist, dass wir immer genügend Strom haben. Dabei ist doch Wasser im Notfall viel wichtiger. Oder hätten Sie dann lieber Strom?», fragt Beat Rieder (55). Die Antwort kennt der Oberwalliser CVP-Ständerat im Voraus: «Jeder, den ich frage, setzt auf Wasser. Denn Wassermangel hat für jede Gesellschaft die schlimmsten Konsequenzen.»

Rieder befürchtet in Zukunft Verteilkämpfe im Wasserschloss Schweiz. «Unsere Wasservorräte sind schon heute stark genutzt», sagt er mit Verweis auf die Stauseen in den Bergen. «Ihr Wasser dient in rauen Mengen für die Bewässerung in der Landwirtschaft, für die Produktion in der Industrie, für den Kunstschnee der Skipisten und als Trinkwasser.» Zugleich sollten die Seen immer möglichst voll sein für die Stromproduktion, als Notreserve und für das touristische Landschaftsbild.

Im Wallis gibt es schon erste Konflikte

Bis jetzt kommen die Nutzer mit ihren Ansprüchen aneinander vorbei. «Man wurstelt sich durch», weiss Rieder aus seinem Umfeld. Erste Konflikte zeichneten sich aber im Wallis zwischen Beschneiung und Stromproduktion ab. «Was, wenn der Klimawandel zu Wasserknappheit führt?», stellt Rieder wieder eine Frage.

Auch diese Antwort nimmt er vorweg. Wir müssten uns bereits jetzt Gedanken machen, wie wir in Zukunft mit Mehrfachnutzungen umgehen und wer bei Knappheit Vorrang habe. Und es müsse klar sein, «ob das Wasser auch 2050 für die wachsende Bevölkerung reicht und wie wir uns bei Dürren regional aushelfen».

Dafür verlangt Rieder vom Bund eine Wasserstrategie 2050, analog zur Energiestrategie 2050. Denn es sei fahrlässig, die Kantone und Gemeinden einfach machen zu lassen. Man solle besser schweizweit koordinieren und sich eine Gesamtsicht verschaffen.

Ständerat soll Verwaltungsmühlen in Gang bringen

Der Walliser hat deshalb Anfang Juni ein Postulat eingereicht, in dem er einen Grundlagenbericht zur aktuellen Situation der Wasserversorgung verlangt. Trotz der grossen Sommerhitze lehnt der Bundesrat den Vorstoss ab. Rieder kritisiert: «Der Bundesrat verweist auf lauter Berichte und Projekte, die nur in die Vergangenheit zurückschauen oder den Status quo schildern, ohne Vorausschau in die Zukunft.»

Er hofft nun auf den Weitblick seiner Ständeratskollegen. Sie sollen die (Wasser-)Mühlen der Bundesverwaltung doch noch auf Touren bringen. «Es wurden schon zu weit unwichtigeren Problemen Grundlagenberichte erstellt», findet Rieder.

Grössere Kapazitäten für Stauseen könnten nötig sein

Der Bergkanton-Vertreter denkt zudem laut über konkrete Forderungen nach. Die Ausweitung der Kapazitäten der grossen Stauseen im Alpenraum sowie die Schaffung neuer Speicherkapazitäten im voralpinen Raum nennt er als mögliche Beispiele. Zudem möchte er die heutige Wassernutzung scharf überprüfen, um herauszufinden, wo Wasser verschwendet wird.

«Vor allem Staumauer-Erhöhungen für alpine Speicherkraftwerke sind langwierige politische Prozesse. Die müssten wir rechtzeitig angehen», sagt der Anwalt. Als Kommunalpolitiker hat Rieder Erfahrungen mit Heimatschützern und Umweltverbänden: Mit deren Einsprachen sei so sicher zu rechnen wie mit dem Amen in der Kirche im Lötschental, wo er herkomme.