SVP-Kantonsrat Christian Lucek (54), Konkurrent von SVP-Nationalrätin Rickli für die Zürcher Regierungsratswahlen im März 2019, greift zum Zweihänder. Vor der Nominationsversammlung heute Abend hat er seine SVP-Parteikollegen per E-Mail aufgerufen, Rickli mit Fragen zum Zivilstand und zur Familienplanung zu löchern. Zudem hofft er auf eine geheime Wahl, der Antrag müsse aber «aus der Versammlung gestellt werden», schreibt er rot aufs Dokument.

BLICK weiss: Das Mail hat Berufsmilitär Lucek - er ist Berufsbordoperateur bei der Luftwaffe - von seinem VBS-Account verschickt.

Sein Macho-Argument: Eine Frau im gebärfähigen Alter und Politik ist ein Risiko. Was aber auch er wissen sollte: Die Realität sieht heute anders aus.

Natalie Ricklis (41) beste Freundin, SP-Nationalrätin Chantal Galladé (45, ZH), hat zwei Kinder geboren. Ihre SVP-Ratskollegin Andrea Geissbühler (41, BE) deren drei. Beide waren bei der Geburt ihrer Kinder im Amt in Bern.

«Wollen wir vier Frauen im RR?»: Der «Tages-Anzeiger» machte Luceks Anti-Rickli-Argumentarium publik.  (Newsnetz.ch)

Auch zahlreiche andere Schweizer Parlamentarierinnen und Regierungsrätinnen wie zum Beispiel die Zugerin Manuela Weichelt (51, Alternative-Grüne) haben längst bewiesen, dass sich Familie und Politik gut vereinbaren lassen. Im Männerclub der SVP Kanton Zürich ist diese Erkenntnis aber offensichtlich nicht angekommen. Angestachelt von Lucek sollen sie genau auf diese alten Macho-Vorurteile setzen.

Anspielung auf frühere Burn-out-Erkrankung

Lucek gab am Montagnachmittag seinen Unterstützern noch weitere Tipps per Mail, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Man(n) solle zum Beispiel die Frage stellen: «Wollen wir vier Frauen im Regierungsrat?» Ebenso rät er, an der Versammlung auf die längst auskurierte Burn-out-Erkrankung von Rickli 2012 zu zielen. «Hübsches Wahlplakat ist das eine, aber es geht vor allem darum, während möglichst acht Jahren in einem 16-Stunden-Knochenjob harte Arbeit zu leisten (...).»

Sich selber hätte der Möchtegern-Regierungsrat gerne als bodenständigen, führungserfahrenen Macher dargestellt. Und als Schweizer. So liefert der Berufsmilitär seinen Kollegen die passende Antwort, falls jemand seinen Namen Lucek als komisch oder zu wenig eidgenössisch empfinden könnte: «Grossvater aus dem damaligen Böhmen 1915 in Bern eingebürgert, Grossmutter Marie Zürcher, Vater und Onkel leisteten Aktivdienst.» (Siehe Textkasten unten.)

Rickli schweigt clever

Vom «Tages-Anzeiger» auf seine Ratschläge an die Kollegen angesprochen, sagt Lucek nur, es seien halt alles Fragen, welche die Basis beschäftigen und die es zu beantworten gelte.

Die Frage, ob man vier Frauen im Regierungsrat wolle, bekräftigt er sogar in Anspielung auf den Zwist der früheren Regierungsrätinnen Rita Fuhrer (SVP, 65) und Dorothée Fierz (FDP, 71): Es habe durchaus schon schwierige Situationen in der Zürcher Regierung gegeben, «weil es in der Psychologie anders gespielt hat». Zicken-Alarm! Das meinte er wohl.

Natalie Rickli äussert sich nicht. Die medienaffine Politikerin, für Journalisten sonst immer gut erreichbar, schweigt clever. Sie ist ja auch beruflich Kommunikationsspezialistin – was Lucek offensichtlich nicht ist. Ihm blieb heute Morgen nichts anderes, als eine Mail nachzuschieben, in der er zu Fairplay aufruft. (awi)