Zwischen Raupen und Rindern ging Bundesrat Johann Schneider-Ammann heute auf Stimmenfang. Der Wirtschaftsminister war zu Besuch auf einem Bauernbetrieb bei Laupen BE. «Vorbildlich» sei der Hof, schwärmt der Bundesrat nach einem Rundgang entlang der Weiden. Genau richtig also für einen kleinen PR-Ausflug im Kampf gegen die Initiative für Ernährungssouveränität.

Während die Seidenraupen hinter ihm an Maulbeerblättern kauen, spinnt Schneider-Ammann den Faden vom Hof zur Politik. Er ist schliesslich nicht nur zur Wurstdegustation hier. Mehrfach betont Schneider-Ammann, wie wichtig ein Nein zur Vorlage für die Landwirtschaft sei. «Wenn die Initiative durchkäme, würden wir Landwirten Hilfe anbieten, die sie hinten und vorne nicht brauchen», sagt der Bundesrat. Staatliche Eingriffe, wie sie die Initiative vorsieht, seien «jammerschade».

«Nicht zurück in die Zeiten des Protektionismus»

Bauer Reto Streit stimmt dem zu. Seine Frau Ursula Knuchel und er bauen auf den 20 Hektaren, die ihr Hof umfasst, unter anderem auch Quinoa an, halten Hühner und verkaufen Fleisch vom Galloway-Rind. «Wir wollen nicht zurück in die Zeiten des Protektionismus», sagt Streit. Bauern seien heute Unternehmer – und diese bräuchten möglichst viele Freiheiten. Ein Ja zur Initiative für Ernährungssouveränität bedeute hingegen mehr Bürokratie, so Schneider-Ammann.

Trotz der warnenden Worte: Viele Bauern hegen Sympathien für die Initiative, die die kleinbäuerliche Landwirtschaft stärken und regionale Produkte durch Importzölle fördern will. Der Bauernverband hat deshalb Stimmfreigabe beschlossen – ein deutliches Signal eines Verbands, der sonst vehement bekämpft, was die Pfründe der Bauern schon nur im Ansatz bedroht. Schneider-Ammann interpretiert die Freigabe indes als Unentschlossenheit der Bauern. Er ist sich sicher: «Wenn sie es sich gut überlegen, kommen sie zu einem Nein.»

auf einen Blick