Das Pfarrteam der Reformierten Kirche Belp-Belpberg-Toffen lehnt sich gegen die kantonalen Asylbehörden auf. Es gewährt seit drei Wochen einer eritreischen Mutter und ihrem Kind Kirchenasyl und findet, diese dürften nicht ausgeschafft werden.

Die Mutter F.B.* (29) und ihr Sohn Nimerod (8) hätten Eritrea im Oktober 2014 auf der Suche nach dem Vater des Buben verlassen, schreibt das Pfarrteam in einer Mitteilung vom Donnerstag. Anstatt in Libyen diesen Mann zu finden, seien die beiden in Gefangenschaft des «Islamischen Staats» geraten und schwer gefoltert worden.

Deshalb seien sie nun psychisch schwer angeschlagen. Sie dürften nicht nach Italien zurückgeschafft werden, wie das die Dublin-Verträge der europäischen Staaten vorsähen.

Denn die Mutter und ihr Kind brauchten unbedingt weitere psychiatrische Behandlung. «In Italien würden sie auf der Strasse landen», sagt der Belper Pfarrer René Schaufelberger zu BLICK. «Eine Ausschaffung käme dem Psychiater zufolge einem Todesurteil gleich.»

Gerade heute hat Amnesty International die italienischen Behörden für ihren Umgang mit Migranten scharf kritisiert . Sicherheitskräfte hätten Flüchtlinge unter anderem mit Schlägen und Elektroschockgeräten von Fingerabdrücken gezwungen. Auch Fälle von sexueller Erniedrigung wurden dokumentiert.

Das Belper Pfarrteam fordert die Behörden auf, das Kirchenasyl zu respektieren. Es wird nach eigenen Angaben von weiteren Personen unterstützt. Für eine Petition werden Unterschriften gesammelt .

Migrationsdienst: «Wir haben keinen Spielraum»

Der kantonale Migrationsdienst (Midi) ist aber gewillt, die Mutter und ihr Kind nach Italien zurückzuführen, wie der Geschäftsleiter des Amts für Migration und Personenstands des Kantons Bern, Markus Aeschlimann, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA deutlich machte. Der Midi gehört zu diesem Amt.

In Belp handle es sich zwar um einen «selten auftretenden Einzelfall", sagt Aeschlimann weiter. Die kantonalen Asylbehörden hätten aber keinen Spielraum, um im Fall der beiden Eritreer eine Ausnahme zu machen. Sie hätten in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht habe letztinstanzlich den Nichteintretensentscheid bestätigt. Die Wegweisung sei deshalb rechtskräftig. Gerade weil der Midi in einem sehr stark politisierten Umfeld tätig sei und schwierige Entscheide umsetzen müsse, sei sein Ziel, sämtliche Verfahren rechtsstaatlich durchzuführen.

Ausserdem werde die familiengerechte Unterbringung der beiden Personen in Italien gewährleistet sein. Italien habe in einem Kreisschreiben zugesichert, dass jede im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Italien überstellte Familie in einer kindsgerechten Umgebung untergebracht werde.

Auch dem Gesundheitszustand der nach Italien überstellten Familien werde Rechnung getragen. (rey/SDA)