Das Bootfahren in der Aare ist ein Wechselbad der Gefühle. Anfängliche Erleichterung, weil das Gummiboot wirklich schwimmt. Dann Begeisterung, wenn es vom Strom mitgerissen wird, und Panik, wenn das Ufer plötzlich näher kommt. Schliesslich folgt ein Wutausbruch, als der Mitfahrer einem mit dem Paddel versehentlich eine Ohrfeige verpasst.

Die Strecke Thun Bern ist bei Böötlern sehr beliebt.   (Helena Schmid)
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Viele von ihnen sind mit dem öffentlichen Verkehr angereist, ab Thun gibt es sogar einen Extrabus.   (Helena Schmid)
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Nicht alle nehmen ein Gummiboot – schliesslich macht man mit einem Einhorn auf der Aare auch eine gute Figur.   (Helena Schmid)
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Oder mit einem Flamingo, wie Pascal Meier (34) und Lina Metzger (30) aus dem Kanton Bern.   (Helena Schmid)
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Monika Csimar (45) und Nikoletta Csaba (40) haben zwar noch festen Boden unter den Füssen, aber schon ein Problem: Das Boot hat ein Loch!   (Helena Schmid)
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Am Einstieg stauen sich die Böötler, am Mittag beträgt die Wartezeit mindestens 20 Minuten.   (Helena Schmid)
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Dann kann es aber losgehen.   (Helena Schmid)
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Als die Strömung nachlässt, wagen sich viele ins Wasser.   (Helena Schmid)
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Am Aareufer beobachten Schaulustige die Gummiboot-Parade   (Helena Schmid)
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Mit dabei waren auch Noël Margaux (27), im weissen Shirt,  und ihre Freunde aus Fribourg. Sie lassen den Nachmittag jetzt noch mit Grillieren ausklingen.   (Helena Schmid)
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Daniel Schmocker (27) (ganz links) und Simon Eschler (24) (mitte) trinken lieber.   (Helena Schmid)
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So wie offenbar die meisten – der Alukübel am Ausstieg ist überfüllt.   (Helena Schmid)
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An sonnigen Wochenenden zieht die Aare Hobby-Böötler aus der ganzen Schweiz an. Scharenweise setzen sie sich am Bahnhof Thun in den «Aareböötle»-Extrabus. Im Zehn-Minuten-Takt befördert dieser etwa 40 Passagiere zum Einstieg.

Der Kiesplatz am Ufer ist mit farbigen Luftmatratzen und Gummibooten übersät. Lina Metzger (30) und Pascal Meier (34) reiten heute ohne Boot, nur mit einem Flamingo über die Wellen. «Wir haben das schon oft gemacht und kennen die Route», sagt Meier selbstbewusst.

Kenter-Gefahr an der Uttigerwelle

Tipps? «Nehmt es locker. Wenn man zu eifrig paddelt, treibt es einen nur an den Rand», empfehlen die Profis.

Doch auf dem Fluss gerät der Rat schnell in Vergessenheit. Nach dem Einstieg dreht sich das Boot wie ein Karussell. Vielleicht, weil beide Gummiboot-Matrosen auf der gleichen Seite paddeln. Nach und nach haben aber selbst Anfänger den Dreh raus.

Zeit, ein Bier zu öffnen – manche Böötler ziehen ganze Kühlkanister hinter sich her. Spätestens an der Uttigerwelle, etwa eine Stunde flussabwärts, überschäumen dann die Dosen. Es ist die holprigste Stelle auf der dreistündigen Route. «Steuert in die Mitte, links schlitzen die Steine das Boot auf, rechts treibt es euch wieder zurück», ruft ein Berner aus dem Nachbarboot.

Paddel-In verkauft Böötler-Bier

Hinter der Uttigerwelle grillieren Schaulustige am Ufer, lachen über die Paddler, die abgedriftet und in den Bäumen hängengeblieben sind. Dann beruhigt sich die Aare wieder. Bei 30 Grad springen viele ins kühle Wasser und lassen sich treiben.

Kurz vor Bern, wenn die Bierdose dann leer ist, lockt ein Paddel-In auf der rechten Flussseite. Für ein paar Franken kann man sich dort ein Bier kaufen. Eigentlich gilt auf der Aare die Grenze von 0,5 Promille. Wer mehr intus hat, darf nicht ans Paddel – aus Sicherheitsgründen. Allerdings will der Bundesrat die Begrenzung bis ins Jahr 2020 aufheben. Prost!

Bierdosen schaffen es ans Ufer – Flipflops nicht

Trotzdem ist am Ausstieg beim Berner Marzili-Bad der Alu-Kübel bis über den Rand gefüllt. Noël Margaux (27) und ihre Crew aus Freiburg grillieren im Schatten. «Wir haben unsere Boote zusammengebunden. Jemanden haben wir vergessen, der ist dann alleine davon gedriftet. Unser Highlight», sagt sie lachend.

Auch Daniel Schmocker (27) und Simon Eschler (23) erlebten eine turbulente Fahrt. Fazit: «Das Beste an der Aare ist das Bier», sagt Schmocker und rollt sein Boot zusammen. «Die Flipflops sind unterwegs verloren gegangen. Jetzt reisen wir halt barfuss nach Hause – das gehört nun mal dazu.»

Aufruf: Was sind Ihre Böötel-Geheimtipps? Haben Sie schon spezielle Konstruktionen gebaut (bspw. Grill auf Floss)? Dann schicken Sie bitte Ihre Bilder an unsere WhatsApp-Nummer 079 813 8041.