Kaum stellt man irgendwo im Freien etwas zu essen auf, tauchen sie auch schon auf: Wespen sind die nervigen Begleiter jedes Grillfests und jeder Mittagspause im Freien. Und in diesem Sommer scheinen die Plagegeister besonders zahlreich aufzutreten.

Der Eindruck täuscht nicht, wie Marcus Schmidt von der Abteilung Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich bestätigt: «Stand heute haben wir in diesem Jahr mehr als doppelt so viele Meldungen von Wespennestern als 2017.» In den letzten 15 Jahren habe es nie so hohe Fallzahlen gegeben. «Und es kommen jeden Tag 10 bis 20 weitere Anrufe rein.»

Die Insekten haben sich aber nicht nur in und um Zürich ausgebreitet. Auch in der Ostschweiz und der Region Basel melden die Feuerwehren, dass sie besonders häufig wegen der schwarz-gelben Plagegeister ausrücken müssen.

Ideale Bedingungen im Frühjahr als Ursache

Ursache sei in erster Linie das trockene und warme Wetter im April und Mai, sagt Schmidt. «Das ist die kritische Phase für die Wespenköniginnen, in der sie ihre Kolonien gründen. Dank der idealen Bedingungen in diesem Jahr konnten besonders viele überleben.»

Vom Griff zur Giftkeule rät Schmidt dennoch ab. «Im Normalfall ist es besser, die Nester in Ruhe zu lassen», sagt er. Denn: Die meisten Wespenarten kämen dem Menschen gar nicht in die Quere. Im Gegenteil: «Sie sind an sich nützliche Schädlingsbekämpfer, die sich von kleineren Insekten ernähren.»

Entspannung nicht vor September

Nur zwei der sechs in der Schweiz vorkommenden Arten würden sich überhaupt für unser Essen interessieren. «Die bilden allerdings auch die zahlenmässig grössten Völker aus.» Sie liessen sich aber leicht im Schach halten: «Eine Wassersprühflasche auf dem Tisch reicht dafür aus. Wespen werden nicht gerne geduscht.»

Eine Entspannung der Situation sei frühestens ab Ende August zu erwarten, meint der Schädlingsberater. Es könne aber auch noch im September gehäuft zu Vorfällen kommen. «Ganz vorbei ist die Plage erst, wenn die Wespen mit dem ersten Frost absterben.» (krj)