Die Konflikte in der Welt nehmen zu. Im zwölften Jahr in Folge hat das australische Institute for Economics and Peace (IEP) in Kooperation mit der britischen Zeitschrift «The Economist» die Friedenslage untersucht. Fazit: So gewalttätig wie heute war die Welt seit zehn Jahren nicht mehr.

In 91 Ländern hat sich die Friedenslage 2017 verschlechtert, 71 Staaten wurden friedlicher. Es gibt mehr Kriegstote und mehr Flücht­linge, kurz: weniger Frieden.

Die renommierten Autoren des Global Peace Index nahmen 163 Länder unter die Lupe, in denen sie die Entwicklung von 23 Indikatoren untersuchten. Schlüsselbeispiele: «andauernde Konflikte», «Sicherheit und Schutz», «Militarisierung».

Europa fällt allgemein zurück

Zur Verschlechterung trugen vor allem zwischenstaatliche und interne bewaffnete Konflikte bei, der wachsende Terrorismus und ein vermindertes Engagement für UN-Friedensmissionen.

Auch in Europa ist die Situation laut Index schlechter geworden. 23 von 36 Ländern Europas seien 2017 weniger friedlich gewesen – darunter auch die Schweiz. 2012 belegte unser Land den vierten Platz, im neusten Ranking steht die Schweiz nur noch auf Position 12. Damit rangiert sie hinter Staaten wie Portugal, Tschechien oder Slowenien (Rang 11).

Der Grund dafür ist eine miserable Bewertung im Bereich Militarisierung. Insbesondere die Waffen­exporte bringen uns Minuspunkte ein. Zusammen mit Israel, Russland oder Pakistan liegt die Schweiz in diesem Punkt im tiefroten Bereich. Negativ wirkt sich auch die vergleichsweise lasche Bewilligungspraxis für den Waffenerwerb aus.

Noch ein weiter Weg in Syrien, Irak oder Libyen

Das friedlichste Land der Welt ist und bleibt Island, dicht gefolgt von Neuseeland und Österreich. Auf den hintersten Plätzen liegen Süd­sudan, Afghanistan und Syrien (letzter Rang).

«Wir können den anhaltenden Rückgang des Friedensniveaus in den vergangenen zehn Jahren auf Konflikte in Nahost und Nordafrika zurückführen – und auf unsere Unfähigkeit, diese Kriege zu lösen», sagt Steve Killelea, Leiter des australischen Friedensinstituts.

Es sei noch ein weiter Weg, bis sich die Lage in Ländern wie Syrien, Irak und Libyen verbessern und sich damit auch deren Auswirkung auf Europa – etwa Terrorismus und Flüchtlingsströme – beseitigen lasse.

Rechtspopulisten in Europa

In Europa haben laut der Studie vor allem das Erstarken nationalistischer, populistischer und EU-feindlicher Kräfte sowie die damit verbundene politische Instabilität zu einer Verschlechterung geführt.

Der Bericht zeigt im Übrigen, dass der Frieden einen grossen Effekt auf die Wirtschaft hat: In Ländern, in denen sich die Friedenslage verbessert hat, ist das Bruttoinlandprodukt siebenmal schneller gewachsen als dasjenige der Staaten, deren Friedensniveau sich verschlechterte. 2017 kosteten Gewalt und Krieg knapp 15 Billionen US-Dollar.