Der 30. April 2017 war ein schwarzer Tag für die Welt der Bergsteiger. Beim Training im Himalaya-Gebirge stürzte der Schweizer Ueli Steck (†40) auf etwa 7600 Metern am Nuptse in die Tiefe. Der Extremkletterer konnte nur noch tot geborgen werden.

Vier Tage später nahmen die engsten Angehörigen Abschied von der «Swiss Maschine», wie Steck von seinen Kollegen genannt worden war. Die Kremation fand beim buddhistischen Kloster Tengboche auf 3860 Metern Höhe statt – ganz in der Nähe des 8848 Meter hohen Mount Everest. Medien weltweit berichteten darüber.

Wirt zeigte Grabstätte

Seither pilgern Touristen und Steck-Fans aus der ganzen Welt an den Ort, wo Ueli Steck eingeäschert wurde. Auch zwei Luzerner Trekker besuchten das Kloster am 16. April auf dem Rückweg vom 5675 Meter hohen Kala Patthar.

Auf der Suche nach Stecks letzter Ruhestätte erlebten sie eine seltsame Geschichte. Sie erzählen BLICK: «Der Wirt einer Lodge zeigte uns zwei Gebetsfahnen. Er sagte uns, dass die goldgelb-weisse Fahne auf der rechten Seite die Grabstätte mit Ueli Stecks Asche markiere.»

Die Luzerner verweilten einen Moment vor dem kleinen Steinhaufen und schlossen den verunglückten Kletterer in ihre Gedanken ein. Sie waren tief beeindruckt: «Diese Stille, diese Aussicht. Es gibt für eine Berglerseele keinen schöneren Platz!»

Reinhold Messner: «Asche wurde ausgeflogen»

In Tengboche trafen sie per Zufall den berühmten Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner (73). Im Gespräch mit ihnen habe er eine Aussage gemacht, die sie mächtig überraschte: «Er teilte uns mit, dass Ueli Stecks Asche gar nicht mehr hier liege, sondern ausgeflogen worden sei.»

Messner hatte Tengboche aus Anlass seiner Erstbesteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffmaske vor 40 Jahren besucht. Gegenüber BLICK bestätigt Messner seine Aussagen: «Mehr weiss ich nicht, ich hatte das ebenfalls so gehört.»

Die Luzerner Trekker waren perplex. War das gar nicht Ueli Stecks Grabstätte, wo sie eben in Stille innegehalten hatten?

Asche an zwei Orten

Stecks Angehörige informieren nur zurückhaltend. Andreas Bantel, Sprecher der Familie Steck, sagt auf Anfrage von BLICK: «Reinhold Messner hat recht. Ein Teil der Asche liegt in den Bergen oberhalb des Klosters Tengboche, der andere Teil in Uelis geliebten Alpen in der Schweiz.»

Das heisst mit andern Worten: Touristen und Steck-Fans, die von den Einheimischen zur gelb-weissen Fahne geführt werden, trauern an der falschen Grabstätte!

Wann die Asche von Tengboche weggebracht wurde, darüber erteilt Steck-Sprecher Bantel keine Auskunft. Auch wo Ueli Stecks Asche in Nepal und der Schweiz hingebracht wurde, wolle die Familie Steck «privat» halten. Zurzeit weilen Angehörige in Nepal, wo sie den Todestag an einem geheimen Ort feiern.

Kein Denkmal für Steck

Grosse Zurückhaltung übt die Steck-Familie auch, wenn es um die Errichtung eines Denkmals geht. Anfänglich liefen Bestrebungen, an Ueli Stecks Hausberg, dem 3967 Meter hohen Eiger, einen Gipfel etwa in «Ueli-Horn» umzubenennen oder wenigstens ein Gedenkbänkli mit Blick auf den Eiger aufzustellen. Der Grindelwaldner Gemeindepräsident Christian Anderegg (SVP) sagte diese Woche zu BLICK: «Bisher wurde nichts gemacht, der Ball liegt bei den Angehörigen.»

Für die Familie scheint eine Grabstätte oder ein Denkmal, an der die Steck-Fans trauern können, nicht im Vordergrund zu stehen. Steck-Sprecher Bantel sagt dazu nur: «Sie wird Ueli immer im Herzen tragen. Das steht für die Familie im Zentrum.»