«Ich verurteile die schockierenden, unverständlichen und traurigen Ereignisse von Samastagnacht aufs Schärfste», sagt Karin Rykart, Vorsteherin des Sicherheitsdepartements der Stadt Zürich. Rund 200-300 vermummte FCZ-Fans griffen Sanitäter und zwei Polizeipatrouillen an, die zwei Schwerverletzte nach einer Messerstecherei versorgen wollten. Da flogen Steine sowie leere und sogar volle Flaschen.

«Die Täter agierten aus einem Mob heraus, von denen viele offensichtliche Fankleidung des FCZ trugen», erklärt Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei. «Sie zielten direkt auf die Köpfe der Einsatzkräfte.» Eine Polizistin wäre mit voller Wucht am Kopf getroffen worden, hätte nicht jemand per Zufall die Flasche mit dem Körper abgelenkt, erzählt er weiter. «So gab es zum Glück bei unseren Einsatzkräften keine schwerwiegenden Verletzungen.»

Situation unterschätzt?

Dem Angriff der FCZ-Chaoten vorausgegangen ist eine Messerstecherei zwischen zwei rivalisierenden Gruppen, die nichts mit der Fussball-Fanszene zu tun gehabt hätten, so Blumer. Der Mob habe sich erst beim Eintreffen der Rettungskräfte spontan formiert. Zuvor kamen die Fussballchaoten per Zug aus Basel von einem Auswärtsspiel zurück, verteilten sich dann nach Ankunft am Haupbahnhof aber in der Stadt und formierten sich erst wieder am Utoquai neu. Blumer: «Vielleicht haben wir die Situation auch unterschätzt.»

Nun will Stadträtin Rykart auch politisch aktiv werden: Jetzt müssten Bodycams her, fordert sie. «Ich werde den Vorstoss im Herbst im Parlament eingeben.» Die Täter sollen so in Zukunft besser identifiziert und der Justitz zugeführt werden können.

Nur: Eigentlich hätte es am Utoquai und beim Opernhaus zwei festinstallierte Kameras – die jedoch nicht liefen. Sie wurden erst eingeschaltet, als die Polizei schon unter Beschuss stand! Blumer: «Zuerst waren nur zwei Patrouillen vor Ort, dann kamen schnell weitere hinzu, am Schluss waren es 14. Im Verlaufe des Einsatzes wurden die Kameras vor Ort eingeschaltet.» Der Einsatz hätte anders angegangen werden sollen, gibt Blumer zu: Die Chaoten hätten eingekesselt und abgearbeitet werden müssen.

Dieses Jahr schon 88 verletzte Stadtpolizisten

Werden nun Massnahmen eingeleitet, um künftig solche spontanen Ausschreitungen zu verhindern? An der am Montag eiligst eingerufenen Pressekonferenz werden keine präsentiert. Die Angriffe auf Blaulichtorganisationen sei aber ein Trend, der sich fortsetzt. Während 2017 total 60 Polizisten verletzt wurden, waren es dieses Jahr schon 88. Ob die Bodycams irgendetwas daran ändern können? Auch diese Frage bleibt unbeantwortet. Blumer sagt jedoch: «Wenn einer wegen eines solchen Delikts nach dem Wochenende nicht mehr zur Arbeit erscheinen kann, schreckt das auch ab.» Nur ein Flaschenwerfer konnte verhaftet werden.