«Wir sind uns einig, dass wir ein Gewaltproblem haben», sagt Karin Rykart, Stadträtin und Vorsteherin des Sicherheitsdepartements. Fussball-Chaoten und gewaltbereite Jugendliche haben in den letzten Monaten immer wieder für Eskalationen in Zürich gesorgt. Am Freitagmorgen luden die Stadt und die Fussballklubs zu einer Pressekonferenz ein.

GC-Präsident Stephan Anliker (links) sagt, dass es schwer sei, Beziehungen zum heutigen harten Kern der Chaoten aufzubauen.   (Keystone)
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Karin Rykart, Vorsteherin Sicherheitsdepartement, und Filippo Leutenegger, Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, setzten auf Prävention und Repression.   (Keystone)
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Die Stadt Zürich will gemeinsam mit den Fussballklubs die Fangewalt ausserhalb der Stadien in den Griff bekommen. Im Vordergrund: Filippo Leutenegger, Vorsteher des Schul- und Sportdepartements.   (Keystone)
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Stephan Anliker, Präsident der Grasshoppers, und FCZ-Kollege Ancillo Canepa wollen das Ihre dazu beitragen und insbesondere mithelfen, in den Schulen Präventionsarbeit zu leisten.   (Keystone)
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GC-Präsident Anliker ist der Ansicht, die Gewalt im Stadion sei grösstenteils unter Kontrolle. «Aber die Situation ist labil.»   (Keystone)
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und FCZ wollen Fangewalt verhindern

Seit Jahren gibt es Expertengremien. Die Stadt Zürich und die beiden Clubs GC und FCZ arbeiteten in zwei verschiedenen Gruppen an der Problematik. Jetzt schlossen sie sich zusammen unter dem Namen «Doppelpass».

Erste Säule: Zusammenarbeit

«Fangewalt ist ein gesellschaftliches Problem, das wir bisher nicht in den Griff bekommen haben», sagt Stephan Anliker, Präsident des Grasshopper Clubs. «Wir müssen es jetzt gemeinsam lösen, denn zusammen sind wir stärker. Das Schwarz-Peter-Spiel ist jetzt beendet.»

Die Zusammenarbeit soll helfen, die «kleine Gruppe von rund 200 Gewalttätern» zu isolieren und strafrechtlich zu verfolgen, so der Tenor an der Pressekonferenz. Im Stadion hätten die Klubs die Situation einigermassen im Griff, so Anliker. «Die Gewalt verschiebt sich aber in die Stadt, und dort draussen können wir nichts tun, denn wir sind Sportklubs, keine Sicherheitsfirmen.» Die Klubs würden aber alles tun, «um das Chaotentum zu unterbinden», sagt Anliker. Kollege Ancillo Canepa vom FC Zürich ergänzt: «Wir sind ebenfalls die Opfer.»

Zweite Säule: Repression

Neben einer engeren Zusammenarbeit wollen die Verantwortlichen auch vermehrt auf Repression setzen: Die Rädelsführer müssen identifiziert und verurteilt werden. Deshalb ist ein Konzept zum Schutz von Informanten geplant. Es gehe nicht nur um den harten Kern der Ultras und Hooligans. Die gewaltbereiten Fans würden sich laut Polizei auch immer öfters mit der linken Szene und «mit berauschtem Partyvolk» vermischen, so Polizeikommandant Daniel Blumer. «Die Gewalt verlegt sich weg von den Stadien in die Stadt hinein, in den öffentlichen und halböffentlichen Raum wie Schulen, Ausgang, Bars oder Gemeinschaftszentren.»

Unter anderem sollen deshalb mehr temporäre Videokameras zum Einsatz kommen, um die Täter aus der Anonymität zu reissen, sagt Polizeikommandant Daniel Blumer. Zwei solcher neuer Standorte wurden schon eingerichtet. Wo, will er allerdings aus taktischen Gründen nicht preisgeben.

Dritte Säule: Prävention

Doch richtig nah an den harten Kern aus den Fankurven komme man nicht heran, wie sie an der Pressekonferenz zugeben. «Die sind ganz verschwiegen», so Blumer. Und GC-Präsident Anliker meint: «Natürlich haben wir Kontakte mit den Fanorganisationen, aber es finden immer wieder Generationenwechsel statt, und es wird immer schwieriger, die Personen zu erfassen.»

Aus diesem Grund will die Stadt vor allem via Sozialdepartement die neue Generation von heranwachsenden, gewaltbereiten Fans erkennen und dort Prävention leisten. Schuldepartementsvorsteher Filippo Leutenegger stellt fest: «Immer jüngere Leute werden schon in den Schulen – sogar auf Primarstufe – vom Fanvirus erfasst. Die Radikalisierung ist dort ein grosses Problem.»

«Wir brauchen neue Partner, vor allem die allgemeine Jugendarbeit», so Raphael Golta, Vorsteher des Sozialdepartements. «Die Frage ist: Wie können wir den Jungen begegnen, bevor es zur Eskalation kommt?» Man müsse hierzu schon Ende der Primarschule ansetzen, zudem auch bei Fussballvereinen ausserhalb der Stadt aktiv werden.

Auch die Klubs wollen bei der Prävention mithelfen. Canepa: «Wir waren auch schon gemeinsam mit Spielern in Schulklassen zu Besuch.» Filippo Leutenegger erklärt, dass man den Jungen dort die Minimalregeln bekannt geben muss: «Nicht auf Wehrlose einprügeln, der Gegner ist kein Feind, sondern das ist ein sportlicher Wettbewerb. Ein Derby soll kein Tiefpunkt, sondern der Höhepunkt der Saison sein.»