Aline J.* (48) alias Domina «Sandy» hat nur einen Wunsch: endlich Schweizerin werden. Doch das Staatssekretariat für Migration (SEM) stellt sich quer. Der Grund: Die Milieudame ist zwar weder vorbestraft noch verschuldet, aber mit einem früheren Kunden verheiratet. BLICK erhielt in dem Fall nun Akteneinsicht.

«Wir möchten darauf hinweisen, dass die Integration nicht zu beanstanden ist», schreibt das SEM im vergangenen Februar an Aline J. Dennoch fand die Behörde ein Hindernis: Der Beweis einer ehelichen Gemeinschaft im Sinne des Bürgerrechtsgesetzes sei nicht erstellt. Dabei hatte das Zürcher Migrationsamt, wo die Domina wohnt und ihren Kunden den Hintern versohlt, ihr Gesuch ohne Einwände durchgewunken.

Seit drei Jahren läuft das Verfahren

Seit drei Jahren läuft das Verfahren schon. 2015 stellte Aline J. ein Gesuch um eine erleichterte Einbürgerung. «Die Schweiz ist seit bald drei Jahrzehnten meine Heimat», sagt die Domina, die einst aus Ex-Jugoslawien einreiste, in akzentfreiem Züri-Deutsch zu BLICK. «Hier fühle ich mich wohl, hier sind mein Mann, meine Freunde.»

Nach zwei gescheiterten Ehen heiratete Aline L. 2011 ihre heutige Liebe, den Schweizer Versicherungsmanager Hans O.* (59). Die beiden hatten sich vor 20 Jahren kennengelernt. Hans war ihr Kunde.

Dem SEM erscheint dies zweifelhaft. Es verlangte von den Zürcher Behörden auch wegen des «verdächtig» grossen Altersunterschieds des Paars weitere Abklärungen. Die Polizisten fanden zudem heraus, dass Aline J. über zwei Wohnsitze verfügt. Pikant: Bei einer der Adressen prangte der Name eines anderen Mannes auf dem Briefkasten.

Eine verdächtige WG, ein weiterer Mann

Die Milieudame erklärt, sie habe mit ihrem Kollegen früher in einer WG gelebt. Da auch ihr Ehemann mit dem alten WG-Kollegen befreundet sei, suche man nun eine grössere Bleibe für alle drei. Und ja: Bei der anderen Adresse handle es sich um die eheliche Wohnung. Die Domina ergänzt: «Der Beamte meinte zudem, dass sich mein Beruf nicht mit den Bestimmungen vereinbaren lasse.»

Auf der Moral-Frage reitet das SEM auch in seinem letzten Brief herum. O-Ton: «Die Ehegatten würden einander insbesondere Treue und Beistand schulden.» Die Berner Schweizermacher sind alarmiert und stellen Aline L. einen neuen Fragenkatalog zu. Hauptfokus ist die Ehe. Denn mittlerweile war die 3er-WG Wirklichkeit geworden.

Gemäss den Bundesbeamten ist dies nämlich ein weiteres Indiz, dass es sich bei der Beziehung von J. und O. nicht um eine Heirat aus Liebe, sondern einzig um eine freundschaftliche Verbindung handeln würde. Ihr Urteil: «Dass ein Liebespaar eine Wohnung mit einem gemeinsamen Freund bezieht / teilt, erscheint ungewöhnlich. Was sagen Sie dazu?»

Immer offen geantwortet

Auf die amtlichen Fragen antwortet die Domina offen: «Hans ist noch immer sehr verliebt in mich und verehrt mich als beste und einzige Frau.» Schon früher hatte Aline J. den Beamten zahlreiche Ferienfotos und Kopien von Hotelreservationen zukommen lassen.

«Damit können wir aufzeigen, dass unsere Mandantin mit ihrem Mann vieles unternimmt», sagt ihr Rechtsanwalt Christoph Zobl. Und wettert gegen antiquierte Moralvorstellungen: «Eine verheiratete Prostituierte kann genau gleich wie Frauen aus anderen Berufsgruppen eine eheliche Gemeinschaft leben. Die gegenteilige Auffassung beruht auf längst überholten Werten.»

Aline L. und ihr Ehemann Hans hoffen weiter auf einen positiven SEM-Entscheid – damit ihrem Glück nichts mehr im Wege steht.

* Namen geändert