Im Herbst haben neben Pilzen, Kürbissen und Nebel auch Krankenkassenprämien Hochsaison. Wie hoch der Prämienanstieg dieses Mal sein wird, enthüllt das Bundesamt für Gesundheit BAG Ende Monat. Dann geht das grosse Rechnen los: Lohnt sich ein Wechsel des Versicherers? Soll ich die Franchise anpassen oder zum Hausarzt-Modell wechseln?

Drei Wochen vor dem Startschuss durch das BAG eröffnete Visana den Prämien-Herbst. «Bei Visana bleiben lohnt sich», wirbt die Krankenkasse mit einer Medienmitteilung bei ihren 615'000 Kunden für sich. Details zu den Prämien 2019 fehlen aber. Denn dazu dürfen sich die Versicherer nicht äussern, bis das BAG die Genehmigung erteilt hat. Trotzdem sagt Visana schon jetzt: Auf ein Viertel der Kunden werden überdurchschnittliche Prämienanstiege zukommen, auf den Rest unterdurchschnittliche.

Moderat ist das Zauberwort

Diese sollen also weniger als 3 Prozent mehr zahlen müssen. Denn das ist der erwartete Durchschnitt. Einzelne Branchenkenner halten 4 Prozent für möglich. Zum Vergleich: 2018 betrug der durchschnittliche Anstieg für einen Erwachsenen mit 300-Franken-Franchise und Unfalldeckung 4 Prozent.

So offen wie Visana sind wenige. In der BLICK-Umfrage verweist die Mehrheit der zwölf kontaktierten Versicherer auf die ausstehende BAG-Genehmigung. Einige wagen aber vorsichtige Aussagen. So ist die EGK «zuversichtlich», dass sie ihren Kunden unterdurchschnittliche Prämienanpassungen bieten kann. Moderate Erhöhungen unter dem Marktdurchschnitt erwartet Sympany. Grund für die Zuversicht sind etwa Überschüsse aus dem Jahr 2017 und die bisherige Gesundheitskostenentwicklung im 2018.

Ebenfalls «moderat» ist die Antwort der Groupe Mutuel auf die Frage nach der Prämienerhöhung bei ihren 1,2 Millionen Grundversicherten. Sie solle im Gesamtdurchschnitt und in den meisten Kantonen unter der landesweiten Erhöhung liegen. Unter dem Schnitt sieht die Concordia den Prämienanstieg.

«Nullrunde» bei Zusatzversicherungen

Der Gesamteindruck: Aus dem Prämienschock könnte 2019 ein Prämienschöckli werden. Was aber auch heisst, dass die Entwicklung der letzten Jahre weitergeht. Seit 1996 steigen die Prämien im Schnitt jährlich um 4,6 Prozent, weil auch die Gesundheitskosten stetig zunehmen.

Immerhin: Für junge Erwachsene sieht es 2019 gut aus. Sie profitieren von einem Parlamentsentscheid. Krankenkassen dürfen für 19- bis 25-Jährige Rabatte anbieten.

Offener als bei der Grundversicherung sind die Krankenkassen bei den Zusatzversicherungen. Eine «Nullrunde» kündigen Visana und die EGK an. Zum Teil günstiger wollen Concordia und Helsana Produkte anbieten. Stabile Prämien mit zwei Ausnahmen kündigt die Groupe Mutuel an. Atupris Zusatzversicherungen werden 5 bis 15 Prozent mehr kosten.