Billig über den grossen Teich. Dieses Ziel steht hinter dem Projekt der ersten Schweizer Billigairline namens «Swiss Skies » . Ab Basel soll diese zu Destinationen in Nordamerika fliegen. Und das 30 Prozent günstiger als die Swiss. Schon nächstes Jahr solls losgehen.

Doch bevor die erste Maschine abhebt, muss Geld her. Rund 100 Millionen Franken wollen die Köpfe hinter den hochfliegenden Plänen bei Investoren einsammeln. Als Startkapital sei das nicht besonders viel, aber doch eine gute Summe, meint Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen. «Für den Kauf von 38 Airbus A321neo LR wird das keinesfalls reichen», sagt er. Realistischer sei, dass «Swiss Skies» die Maschinen leasen werde.

Leasen statt kaufen

Eine weitere Frage ist, ob die Neulinge überhaupt zu den begehrten Fliegern kommen. «Die Flugzeuge sind ein Knackpunkt für das Projekt», erklärt Thomas Jäger, CEO der Beratungsfirma Ch-Aviation. Die Warteliste für die kleinen Langstreckenflieger sei lang. Auch er hält deshalb ein Leasing für wahrscheinlich. Trete eine andere Airline kurzfristig von einer Bestellung zurück, dann könnte «Swiss Skies» profitieren.

Das Geschäftsmodell steht und fällt mit den neuen Airbussen. Erst die kleinen Flieger mit den sparsamen Triebwerken machen Low-Cost-Angebote auf Langstrecken überhaupt denkbar. Doch noch fehlen Erfahrungswerte. «Ich habe Zweifel, ob das Low-Cost-Modell auf der Langstrecke langfristig funktioniert», so Jäger. Versuchen könne man es, aber ob es auch gelinge, das sei die Frage.

Swiss dürfte Preise auch senken

Etwas optimistischer ist Andreas Wittmer. Wenigstens was Transatlantikflüge angeht. «Auf diesem Markt sind die Preise eher hoch, das eröffnet Chancen für einen Billigflieger», so der Experte. Zudem könnten die neuen Airbusse bei Zielen an der US-Ostküste in einem Tag hin- und zurückfliegen. So rechne sich das für Low-Cost-Anbieter. Denn damit bräuchten sie nur eine Maschine pro Ziel, die durchschnittlich mehr Zeit produktiv in der Luft verbringt. Und auch bei der Anzahl Crews würden sie sparen.

Einfach werde es aber nicht, glaubt der Experte: «Die Swiss kann Preissenkungen um 30 Prozent mitmachen.» Ein harter Preiskampf wäre die Folge. Zudem dürfe man sich vom Billigversprechen nicht blenden lassen. Die Tickets mögen billig sein, doch mit den vielen Extras für Gepäck, Sitzreservation und Essen sparen Passagiere unter dem Strich kaum.

Bei weiteren Zielen ist der Experte eher skeptisch. «Asien, die Karibik und Brasilien sind zu weit weg, ein Hin- und Rückflug innert 24 Stunden klappt da kaum», so Wittmer. Im Mittleren Osten gäbe es schon Anbieter mit Billigtarifen, da fehle die Lücke.

Basel ist günstiger

Swiss Skies will Basel-Mulhouse zur Heimbasis machen. Das macht Sinn, finden sowohl Jäger als auch Wittmer. Basel sei günstiger als Zürich und zudem gäbe es noch eher freie Slots zu guten Zeiten für Nordamerika-Flüge. Möglicherweise hoffe die geplante Billigairline auch auf eine Kooperation mit Easyjet, kann sich Jäger vorstellen. Ähnlich wie es die norwegische Billigairline Norwegian tut.

Wie realistisch ist ein Start schon nächstes Jahr? Finden die Initiatoren das Geld und die Flugzeuge, dann könnte es klappen, glauben die Experten. Nötig dafür sei unter anderem auch die Bewilligung des Bundesamts für Zivilluftfahrt Bazl. In einem halben Jahr sei es nicht unmöglich, diese zu erhalten, erklärt Wittmer, einfach sei es aber auch nicht.

Das Fazit: «Abwarten, Tee trinken und schauen, ob das Kapital zusammenkommt», so Jäger. Er habe schon ähnliche Modelle mit namhaften Köpfen dahinter gesehen, die das nicht geschafft hätten. «Auf Swiss Skies hat niemand gewartet.» Bevor das Unternehmen also abhebt, muss ihre Idee erstmal bei den Investoren ankommen.