Genau darum hat die damalige Swissair vor 25 Jahren die Regel eingeführt, auf Flügen nach Israel eine halbe Stunde vor der Landung auf den Bord-Bildschirmen keine Landkarten mehr anzuzeigen. Weil das sonst nur zu Ärger führt!

Die Swiss hat, nachdem sie aus den Trümmern der Swissair auferstanden war, diese Regel bis heute beibehalten. «Im Wissen um die sensitive Situation in der Region», wie sie es nennt. Blöd bloss, dass auf Flug LX252 von Zürich nach Tel Aviv am letzten Donnerstag vergessen ging, die Bildschirme auszuschalten, bevor die umkämpfte Weltregion darauf zu sehen war.

Symbol für Vertreibung?

Einer der Passagiere entdeckte, dass für jene Stelle der Karte, wo Tel Aviv liegt, zwei Bezeichnungen angezeigt wurden. Einmal – ganz gross und über dem Flugzeug auf der Karte – Tel Aviv. Und dann asch-Schaich Muwannis. Ein damals arabischer Ort, der kurz vor dem Palästinakrieg 1948 von israelischen Militärs erobert und zu weiten Teilen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Seine arabischen Bewohner mussten fliehen, heute steht dort die Universität von Tel Aviv.

Mit anderen Worten: asch-Schaich Muwannis gibt es nicht mehr. Ausser – je nach Perspektive – als Symbol für die oft gewaltsame Vertreibung der Araber.

Die Frage, um die sich im Internet nun ein Shitstorm gegen die Swiss entwickelt hat: Ist das eine Provokation für Israel?

«Meint ihr das ernst?»

Für die amerikanische pro-israelische Non-Profit-Organisation Stand With Us (dt. Stehe uns bei) ist der Fall klar: «Meint ihr das ernst?», fragt die Organisation auf Twitter. Als Antwort darauf rufen zahlreiche Anhänger der Organisation zum Boykott der Swiss auf.

Doch natürlich meldet sich auch die Gegenseite. «Episch, wie die Wahrheit immer wieder einen Weg findet, sich zu zeigen, und die Diebe an ihre Verbrechen erinnert.» Gut möglich, dass die Swiss sich über dieses Lob nicht besonders freut.

Sie verweist auf Anfrage nämlich darauf, dass sie politisch neutral sei. Die Karten, die man auf den Flugzeug-Bildschirmen zeige, übernehme man standardisiert von Drittanbietern. «Nach welchen Kriterien die Orte entlang der Routen auf den Karten ausgewählt werden, ist uns nicht bekannt», schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. «Wir haben den Hersteller bereits auf die Situation aufmerksam gemacht und ihn gebeten, Orte, die nicht mehr existieren, von der Karte zu entfernen.»

Es ist nicht das erste Mal in diesen Wochen, dass die Swiss in politische Turbulenzen gerät: Im August wurde bekannt, dass sie gleich wie viele andere Airlines für die Sonderverwaltungszone Hongkong neu statt der eigenen Flagge die chinesische anzeigt (BLICK berichtete). Dies, um es sich mit dem Regime im Milliardenmarkt China nicht zu verscherzen.