Die fetten Jahre sind vorbei. Üppige Verkaufslandschaften waren gestern. Möbel-Paläste an den Autobahn-Zubringern entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Zwar blättern Schweizer immer noch gerne im Ikea-Katalog, doch nehmen sie im Möbelhaus längst die Abkürzung zu gesuchten Produkten. Inspiration holt man sich heute im Internet.

Oder in kleinen Miniläden und Showrooms, sogenannten Pop-up-Stores. Immer mehr wird dort auch gleich gekauft. Das macht die grossen Einrichtungshäuser nicht gleich überflüssig. Dennoch wird aufgeräumt.

Online bedrängt stationäre Läden

«Shoppen ist heute komplex», heisst es bei Interio, neben Micasa das teurere der beiden Migros-Möbelhäuser. «Der Onlinehandel bedrängt dabei immer stärker den stationären Handel.» Das Management ging über die Bücher. Am Dienstag präsentiert es sein neues Ladenkonzept in der Filiale in Spreitenbach AG.

Interio, mit einem Umsatzeinbruch von acht Prozent im letzten Jahr, ist ein Sorgenkind des orangen Riesen. Der Filialumbau ist Chefsache. Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen (48) höchstpersönlich wird am Dienstag vorstellen, wie diese «neue Interio-Welt funktioniert», so die Ankündigung in der Einladung.

Interio eröffnet Shop in 3-D

Die wiedereröffnete Filiale sei «ein Onlineshop in 3-D» – mit Infografiken an den Wänden, Möbel-Konfiguratoren, wo man seine Möbel selber zusammenstellen kann. Die Beratung läuft online. Zudem soll eine App eingeführt werden, mit der man Sofas und Regale virtuell in die Stube stellen kann.

Hier ist Ikea schon einen Schritt weiter. Mittels der App «Ikea-Place» und der Augmented-Reality-Technologie können Kunden die eigene Wohnung scannen und Ikea-Möbel darin virtuell einfügen. Anschliessend lassen sich die Produkte direkt aus der App heraus bestellen. Auch Instagram ist ein Thema. Dort zeigen die Schweden Wohnbeispiele. Wenn sie ihm gefallen, soll der Nutzer dann direkt zur Bestellung weitergeleitet werden.

Grosse Veränderungen stehen an

Ikea als Nummer eins in der Schweiz hatte zuletzt an der Zürcher Bahnhofstrasse einen Pop-up-Store installiert, wo Showroom und Onlinebestellung auf kleinstem Raum getestet wurden. Ergänzt mit Abholstationen, sogenannten Pick-up-Points, in anderen Städten.

Ikea-Schweiz-Chefin Simona Scarpaleggia (58) sprach schon letztes Jahr von «grossen Veränderungen im Einkaufsverhalten». Sie musste einräumen, dass die neun Einrichtungshäuser Umsatz verloren, der Onlineumsatz aber fast 20 Prozent in die Höhe kletterte.

Ende August ist auch das laufende Geschäftsjahr 2017/18 vorbei. Die Umsätze der Einrichtungshäuser dürften weiter nach unten zeigen. Rutscht Ikea in der Schweiz erstmals wieder unter die 1-Milliarden-Franken-Marke?

Ganz sicher ist man sich beim Möbelriesen nicht, wie eine Anfrage von BLICK zeigt. «Wir sind auf Kurs, um die eine Milliarde Umsatz zu halten, können die definitiven Zahlen erst nach Geschäftsjahresschluss bestätigen», sagt Sprecher Manuel Rotzinger. Aber klar: «Selbstverständlich hält auch bei uns die Digitalisierung unvermindert Einzug und wird laufend zu Veränderungen führen.»

XXXLutz macht stationär voran

Nicht nur die Kunden, sondern auch Marktneuling XXXLutz machen Druck auf die Schweizer Nummer eins. Die Österreicher sind nach Ikea die zweitgrösste Möbelkette Europas. Sie haben im Frühjahr eine erste Filiale in Rothrist AG eröffnet.

In den ersten 150 Tagen zog sie über 300'000 Neugierige an. Co-Landesleiter Meinrad Fleischmann prüft derzeit Standorte in Zürich-Nord, Zürich-West, Bern-Ost, in der Genferseeregion und auch in der Innerschweiz. «Passende Flächen zu finden, braucht aber etwas Zeit», dämpft Fleischmann gegenüber BLICK ab. Noch sei man nicht fündig geworden.

Darum will er gleichzeitig den Onlineausbau vorantreiben. «Der Onlineshop auf der Plattform xxxlutz.ch wird ab dem zweiten Quartal 2019 voll funktionsfähig sein», kündigt Fleischmann an. Er sagt aber auch: «Eine App oder VR-Anwendung kann heute das Erlebnis im reellen Möbelhaus noch nicht ersetzen.»

Die Umsätze werden es zeigen.