Verstopfte Hirnvenen nach Corona-Impfung mit Astrazeneca und Johnson&JohnsonBerner Forscher kommen tödlicher Nebenwirkung auf die Spur

Die Impfungen von Astrazeneca und Johnson&Johnson können in sehr seltenen Fällen zur Verstopfung von Hirnvenen führen. Das ist dann aber sehr gefährlich. Eine Berner Studie zeigt nun Massnahmen auf, wie die Sterblichkeit bei dieser Nebenwirkung gemindert werden kann.
TanjaLaeser Inselspital
Prof. Dr. med. Marcel Arnold, Chefarzt Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital, hat die Studie mit Kollegen geleitet.
AP
Vor allem bei den Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson&Johnson kommen die gefährlichen Thrombosen vor.
Keystone/ZB/Patrick Pleul
Solche Venenverstopfung nach einer Impfung sind insgesamt aber äusserst selten.

Sehr selten kommt es bei Impfungen mit Astrazeneca und Johnson&Johnson zur Verstopfung von Hirnvenen. Wenn diese Nebenwirkung auftritt, ist sie allerdings hochgefährlich. Von den Patientinnen und Patienten, bei denen sich nach der Impfung diese Komplikation zeigte, lagen bei Zuweisung ins Spital ein knappes Viertel im Koma, 68 Prozent wiesen Hirnblutungen und begleitende Thrombosen auf. Fast die Hälfte starb im Spital, wie das Berner Inselspital am Dienstag mitteilte.

In die Studie einbezogen wurden 116 Patientinnen und Patienten. 78 von ihnen wiesen Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel auf. Nur in zwei Fällen trat die Komplikation nach Impfung mit dem Wirkstoff von Janssen/Johnson&Johnson auf, bei 76 Geimpften war AstraZeneca der Auslöser. Letztere ist in der Schweiz nicht zugelassen, Johnson&Johnson wird ab 5. Oktober verfügbar sein.

Patienten unterscheiden sich deutlich

Das Stroke Center am Inselspital, Universitätsspital Bern, leitete zusammen mit dem University Medical Center (UMC) Amsterdam die Studie und rekrutierte einen Teil der Kontrollgruppe.

Die Studie zeigt, dass diejenigen Patientinnen und Patienten, die nach der Impfung einen Abfall der Konzentration von Blutplättchen aufwiesen, häufig einen schweren Verlauf der Komplikation hatten. Damit unterschieden sich Patienten mit einer Thrombozytopenie (Blutplättchenarmut) deutlich von den übrigen Patientinnen und Patienten mit einer Hirnvenenthrombose nach der Impfung.

Sterblichkeit fällt durch Therapien auf 42 Prozent

Antikörper gegen den Blutplättchenfaktor PF4 wurden bereits früh als wichtiger Faktor bei der Verklumpung von Thrombozyten mit der Folge einer Thrombozytopenie erkannt. Seither kamen gezielte Therapien zum Einsatz wie Immunglobuline und Plasmaaustausch.

Die aktuelle Studie stellte fest, dass seit dieser Erkenntnis und aufgrund entsprechend angepasster Therapien, die Sterblichkeit nach Hirnvenenthrombose bei Blutplättchenarmut von 61 auf 42 Prozent gefallen ist. Neuere noch unveröffentlichte Daten und eine bereits publizierte britische Studie weisen in die gleiche Richtung und zeigen eine nochmals deutlich reduzierte Sterblichkeit.

Studie zeigt: Pfizer/Biontech-Impfung bei Kindern extrem wirksam(00:48)

Kein Fall in der Schweiz

Die Leitung der Studie, welche das Inselspital mit innehatte, war wegen der Seltenheit der Komplikation sehr anspruchsvoll. Viele der an der Untersuchung beteiligten Spitäler hatten nur einen einzigen Fall. Es wurden Daten aus 81 Spitälern in 19 Ländern in einem prospektiven webbasierten Register zusammengetragen. Aus der Schweiz wurde kein einziger Fall gemeldet.

Das sind die Vorteile von Johnson & Johnson

Wie unterscheidet sich Johnson & Johnson von anderen zugelassenen Impfstoffen?
Der Impfstoff wird nur ein Mal verabreicht. Somit fällt viel organisatorischer Aufwand weg: Es muss kein zweiter Termin eingeplant werden. Für Menschen, die bereits geimpft sind, muss zudem keine zweite Dosis vorrätig gehalten werden. Wie der Impfstoff von Astrazeneca kann auch jener von Johnson & Johnson bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad gelagert werden. Das macht den Umgang mit ihm leichter als mit den mRNA-Impfstoffen, die tiefgekühlt gelagert werden müssen.

Auf welcher Technologie beruht der Impfstoff?
Im Gegensatz zu den bisher in der Schweiz verwendeten Corona-Impfstoffen handelt es sich bei jenem von Johnson & Johnson nicht um einen mRNA-, sondern um einen Vektorimpfstoff. Bei dieser Technologie wird in ein für Menschen ungefährliches Virus der Bauplan für das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus eingebaut. Der Impfstoff von Johnson & Johnson basiert auf einem menschlichen Schnupfenvirus. Das menschliche Immunsystem erkennt nach der Impfung das Spike-Protein und reagiert mit der Bildung von Antikörpern. Dank der Impfung kann es schneller mit einer Abwehrreaktion beginnen, sollte das Coronavirus in den Körper eindringen.

Wer bekommt den Impfstoff von Johnson & Johnson?
Der Impfstoff ist für Personen ab 18 Jahren zugelassen. Der Bund ist mit dem Hersteller in Verhandlung über eine kleine Menge an Impfdosen, wie Blick am Dienstag berichtete. Diese soll primär für die Impfung von Personen zum Einsatz kommen, die aus medizinischen Gründen – zum Beispiel wegen einer schweren Allergie – nicht mit mRNA-Impfstoff geimpft werden können.

Wie hoch ist die Wirksamkeit dieses Vektor-Impfstoffs?
Die vom Hersteller eingereichten Studiendaten zeigen laut Swissmedic 14 Tage nach der Impfung eine Wirksamkeit zwischen 64,2 Prozent bei der Altersgruppe zwischen 18 und 64 Jahren und 82,4 Prozent in der Altersgruppe über 65. Schwere und kritische Verläufe von Covid-19 können zu fast 85 Prozent verhindert werden.

Welche Nebenwirkungen können bei Johnson & Johnson auftreten?
Laut Swissmedic sind die am häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle und Übelkeit. Die meisten Reaktionen treten demnach innerhalb der ersten beiden Tage nach der Impfung auf und sind von kurzer Dauer. In sehr seltenen Fällen verursacht der Impfstoff Thrombosen, ähnlich wie derjenige von Astrazeneca.

Wann kommt Johnson & Johnson?
Das weiss man noch nicht genau. Der Wirkstoff von Johnson & Johnson hat in der Schweiz bereits seit Ende März eine befristete Zulassung. Er wurde bisher jedoch nicht verabreicht, weil der Bund mit dem Hersteller noch keinen Vertrag hat. Ein entsprechender Vertragsabschluss und die Anzahl zu beschaffenden Impfdosen werden laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit mitgeteilt. Die Kantone wurden jedoch bereits gebeten, sich auf eine allfällige «zeitnahe Umsetzung» vorzubereiten.

Wer hat den Impfstoff von Johnson & Johnson entwickelt?
Die Corona-Impfung von Johnson & Johnson, die offiziell Covid-19 Vaccine Janssen heisst, wurde von der Janssen-Cilag AG entwickelt. Die Cilag AG ist eine Schweizer Firma mit Sitz in Schaffhausen und gehört zum belgischen Pharmakonzern Janssen, der wiederum Teil des US-amerikanischen Grosskonzerns Johnson & Johnson ist. Der Impfstoff wurde unter anderem in Bümpliz bei Bern entwickelt.

Wie unterscheidet sich Johnson & Johnson von anderen zugelassenen Impfstoffen?
Der Impfstoff wird nur ein Mal verabreicht. Somit fällt viel organisatorischer Aufwand weg: Es muss kein zweiter Termin eingeplant werden. Für Menschen, die bereits geimpft sind, muss zudem keine zweite Dosis vorrätig gehalten werden. Wie der Impfstoff von Astrazeneca kann auch jener von Johnson & Johnson bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad gelagert werden. Das macht den Umgang mit ihm leichter als mit den mRNA-Impfstoffen, die tiefgekühlt gelagert werden müssen.

Auf welcher Technologie beruht der Impfstoff?
Im Gegensatz zu den bisher in der Schweiz verwendeten Corona-Impfstoffen handelt es sich bei jenem von Johnson & Johnson nicht um einen mRNA-, sondern um einen Vektorimpfstoff. Bei dieser Technologie wird in ein für Menschen ungefährliches Virus der Bauplan für das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus eingebaut. Der Impfstoff von Johnson & Johnson basiert auf einem menschlichen Schnupfenvirus. Das menschliche Immunsystem erkennt nach der Impfung das Spike-Protein und reagiert mit der Bildung von Antikörpern. Dank der Impfung kann es schneller mit einer Abwehrreaktion beginnen, sollte das Coronavirus in den Körper eindringen.

Wer bekommt den Impfstoff von Johnson & Johnson?
Der Impfstoff ist für Personen ab 18 Jahren zugelassen. Der Bund ist mit dem Hersteller in Verhandlung über eine kleine Menge an Impfdosen, wie Blick am Dienstag berichtete. Diese soll primär für die Impfung von Personen zum Einsatz kommen, die aus medizinischen Gründen – zum Beispiel wegen einer schweren Allergie – nicht mit mRNA-Impfstoff geimpft werden können.

Wie hoch ist die Wirksamkeit dieses Vektor-Impfstoffs?
Die vom Hersteller eingereichten Studiendaten zeigen laut Swissmedic 14 Tage nach der Impfung eine Wirksamkeit zwischen 64,2 Prozent bei der Altersgruppe zwischen 18 und 64 Jahren und 82,4 Prozent in der Altersgruppe über 65. Schwere und kritische Verläufe von Covid-19 können zu fast 85 Prozent verhindert werden.

Welche Nebenwirkungen können bei Johnson & Johnson auftreten?
Laut Swissmedic sind die am häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle und Übelkeit. Die meisten Reaktionen treten demnach innerhalb der ersten beiden Tage nach der Impfung auf und sind von kurzer Dauer. In sehr seltenen Fällen verursacht der Impfstoff Thrombosen, ähnlich wie derjenige von Astrazeneca.

Wann kommt Johnson & Johnson?
Das weiss man noch nicht genau. Der Wirkstoff von Johnson & Johnson hat in der Schweiz bereits seit Ende März eine befristete Zulassung. Er wurde bisher jedoch nicht verabreicht, weil der Bund mit dem Hersteller noch keinen Vertrag hat. Ein entsprechender Vertragsabschluss und die Anzahl zu beschaffenden Impfdosen werden laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit mitgeteilt. Die Kantone wurden jedoch bereits gebeten, sich auf eine allfällige «zeitnahe Umsetzung» vorzubereiten.

Wer hat den Impfstoff von Johnson & Johnson entwickelt?
Die Corona-Impfung von Johnson & Johnson, die offiziell Covid-19 Vaccine Janssen heisst, wurde von der Janssen-Cilag AG entwickelt. Die Cilag AG ist eine Schweizer Firma mit Sitz in Schaffhausen und gehört zum belgischen Pharmakonzern Janssen, der wiederum Teil des US-amerikanischen Grosskonzerns Johnson & Johnson ist. Der Impfstoff wurde unter anderem in Bümpliz bei Bern entwickelt.

Das laufend weiter ergänzte Register mit den detaillierten Profilen derjenigen Patientinnen und Patienten, die nach einer Impfung mit einem der beiden genannten Impfstoffe eine Sinusvenenthrombose erlitten, soll helfen, die Sterblichkeit durch eine gezielte Therapie weiter zu senken. (SDA)