BLICK: Peter Sauber, was sagen Sie zur Rückkehr von Kimi Räikkönen zum Sauber-Rennstall?
Peter Sauber:
Ich sage es jetzt mal in den Worten von Adolf Ogi: Freude herrscht. Dass diese Möglichkeit besteht, habe ich schon bei meinem Besuch in Monza erfahren. Dass es geklappt hat, ist ein tolles Signal. Kimi hat in Hinwil einen exzellenten Ruf und ist auch bei den Fans sehr beliebt. Seine Verpflichtung wird dem ganzen Team enormen Schub verleihen.

Holt sich Raikkönen in Hinwil sein Gnadenbrot ab?
Alles andere als das! Kimi ist enorm ehrgeizig und spürt, dass es bei Sauber aufwärts geht. Vor einem Jahr hätte er diesen Schritt wohl nicht gemacht. Er wird mit seiner Erfahrung das Team in jeder Beziehung weiterbringen. Er hat sich diesen Schritt sehr gut überlegt und wird nicht seinen guten Ruf verlieren wollen.

Peter Sauber (r.) im Gespräch mit BLICK-Sportchef Felix Bingesser im Jahr 2017.  (Philippe Rossier)

Sie haben Kimi Räikkönen entdeckt. Wie kam es dazu? Der englische Manager David Robertson kam in Winter 2001 nach Hinwil. Sein Sohn Steve betreut Raikkönen übrigens heute noch. Robertson erzählte mir von einem Wunderkind in der Formel Renault. Ein Mann ohne Einsätze in der Formel 3 oder der Formel 3000, wie die Formel 2 damals hiess. Mein Bauchgefühl sagte mir: Diesen Mann testen wir. Das kostet ja immer auch Geld.

Und dann?
Dann sind wir für drei Tage mit zwei Autos nach Mugello. Kimi war scheu und wortkarg. Er hat kaum Englisch gesprochen. Also, er hat fast überhaupt nicht gesprochen. Aber seine Körpersprache war einmalig. Als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin, da hatte ich das Gefühl, er spaziert durch mich hindurch. Ich vergesse diese eindrückliche Begegnung nie. Er machte einfach den Eindruck von totaler Entschlossenheit.

2001 rast Kimi Räikkönen beim GP von Silverstone im Sauber auf Rang 5 – Peter Sauber freut sich mit ihm.  (KEY)

Und er war schnell.
Ja. Er hat noch nie am Steuerrad gekuppelt und geschaltet. Aber er ist zur Boxengasse rausgefahren, als ob nichts wäre. Seine Rundenzeiten waren auf Anhieb sehr schnell. Und er war unglaublich konstant. Wenn wir ihn mit 30 Kilo weniger Benzin auf die Strecke geschickt haben, dann war er eine Sekunde schneller. Und mit neuen Reifen nochmals eine Sekunde. Wie ein Uhrwerk. So etwas habe ich nie mehr erlebt. Wir waren fasziniert und haben ihn verpflichtet.

Mit einer provisorischen Lizenz.
Ja. Ich musste in einem Plädoyer die anderen Teamchefs überzeugen, dass wir diesem Quereinsteiger eine Superlizenz geben. Ich habe Sie aufgefordert: Geht hin und schaut ihm beim Fahren zu. Dann versteht ihr mich.

Hat sich da so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung entwickelt?
Nicht so wie bei jungen Fahrern wie Karl Wendlinger. Dafür war Räikkönen zu unnahbar. Er hat aber bis zum heutigen Tag eine enge Beziehung zu Teammanager Beat Zehnder.

Kimi Räikkönen sagt nach dieser Saison «Arrivederci, Ferrari!»   (REUTERS)
1 / 16
Der Finne fährt seit 2014 für die Roten.    (Lukas Gorys)
2 / 16
Nächstes Jahr gibts dieses Bild nicht mehr zu sehen: Vettel neben Räikkönen.   (Lukas Gorys)
3 / 16
Seit Wochen wird gemunkelt, dass Räikkönen den italienischen Rennstall verlässt.    (Lukas Gorys)
4 / 16
Jetzt ist klar: Kimi zieht den Schlussstrich.   (Lukas Gorys)
5 / 16
Hier flaniert der 38-Jährige mit seiner Ehefrau Minttu durchs Fahrerlager.   (Lukas Gorys)
6 / 16
Schon 2007 bis 2009 ging Kimi für die «Scuderia» auf Punktejagd.   (REUTERS)
7 / 16
«Wir danken Kimi für alles und wünschen ihm und seiner Familie eine wohlhabende Zukunft», heisst es auf der Webseite von Ferrari.   (freshfocus)
8 / 16
2007 wurde Räikkönen mit Ferrari Weltmeister.   (KEY)
9 / 16
Räikkönen wird für die nächsten zwei Saisons für Sauber fahren – das machte er übrigens auch 2001.   (REUTERS)
10 / 16
«Kimi Räikkönen als unseren Fahrer zu sichern, stellt einen wichtigen Teil unseres Projektes dar und bringt uns unserem Ziel, als Team Fortschritte zu erzielen, einen Schritt näher», sagt Frédéric Vasseur auf der Sauber-Webseite.   (Lukas Gorys)
11 / 16
Charles Leclerc (l.) macht den umgekehrten Weg – und heuert bei Ferrari an.   (Lukas Gorys)
12 / 16
Der 20-jährige Monegasse wird seit längerer Zeit mit einem Wechsel zum italienischen Stall in Verbindung gebracht, …   (Lukas Gorys)
13 / 16
… am Dienstagmorgen ist der Deal fix.   (Lukas Gorys)
14 / 16
Das Ferrari-Duo der nächsten Saison: Leclerc (l.) und Vettel.   (Lukas Gorys)
15 / 16
Leclerc trägt bereits den Ferrari-Overall.   (zvg)
16 / 16

Und im ersten Rennen 2001 hat es gleich geklappt.
Das war in Australien. Kimi ist auf Anhieb in die Punkte gefahren und wurde Sechster. Nick Heidfeld wurde Vierter. Am Ende der Saison waren wir in der Konstrukteuren-WM auf Platz vier. Es war die erfolgreichste Saison für Sauber. Besser lief es dann nur noch mit BMW, als wir einmal Zweiter und einmal Dritter wurden.

Wird die Rückkehr des verlorenen Sohnes Räikkönen der Formel 1 in der Schweiz neuen Aufschwung verleihen?
Ich hoffe es. Ein Weltmeister kehrt zurück in seine zweite Heimat. Das ist ein schöne Geschichte und für den Sauber-Rennstall ein tolles Signal.