Eigentlich will Anthony Mossi (24) nur mit ein paar Kollegen den trainingsfreien Tag im Lido von Lugano geniessen. Da kommt dem Chiasso-Goalie ein anderer Gast der See-Badeanlage ziemlich bekannt vor. «Ich musste zuerst zwei, drei Mal schauen, ob er es wirklich ist», sagt Mossi. Er ist es tatsächlich: Bayern- und Deutschland Keeper Manuel Neuer (32).

«Er ist wirklich so gross, wie er im Fernsehen scheint. Als Goalie musste ich ihn einfach ansprechen», sagt Mossi. Es entsteht ein rund 40-minütiges Gespräch unter den Berufskollegen, die sonst in völlig unterschiedlichen Welten spielen.

«Er war völlig bodenständig, ein ganz normaler Typ. Erstaunlich für einen Spieler, der so viele Titel gewonnen hat», erzählt Mossi. «Als ich ihm sagte, dass ich auch Profi-Goalie bin, war er sehr interessiert und hat mir Tipps gegeben. Wir haben übers Mentale geredet, wie man unter Druck ruhig bleiben kann. Schön, dass er sich so viel Zeit nahm.» Auf die verkorkste WM spricht Mossi den Weltstar nicht an. «Wer weiss, ob dann das Gespräch sofort geendet hätte», sagt er lachend.

Bayern-Star radelte ins Tessin

Doch was macht Neuer überhaupt in Lugano? Der Bayern-Star hat noch WM-Ferien und radelte mit drei Kollegen aus München über die Alpen bis ins Tessin. Inklusive dem legendären Stilfserjoch und einer Reifenpanne im Tirol, wie der Bayern-Keeper auf seinem Instagram-Profi zeigt.

Mossi ist hingegen mit Chiasso schon in die Challenge League gestartet. Am Samstag wartet Servette: «Ich werde mich sicher an Neuers Tipps erinnern.» Der in Biel aufgewachsene Afrikaner ist seit neuestem auch Nati-Keeper der DR Kongo, wo er mit Luganos Joel Kiassumbua um die Nummer 1 kämpft. «Vor der WM habe ich gegen Nigeria gespielt. Jetzt hoffe ich, dass im September auch in der Afrika-Cup-Quali spielen darf.»

Auch bei Chiasso ist er die Nummer 1. «Ich will mich in der Challenge League bewähren und möchte dann den nächsten Schritt in die Super League oder ins Ausland machen», sagt Mossi.