Guillaume Hoarau verkündete, nicht nur müde zu sein, wie er nach jedem Spiel verkündet. Nein, er sei «tot», meinte der Millionenmacher. So übernahm in Abwesenheit des üblichen Zeremonienmeisters («Für mich ist es Zeit, die Fackel langsam weiterzureichen») Mbabu den Job des Deejays nach vollbrachter Geschichtsschreibung.

«Ich musste doch versuchen ein bisschen Stimmung in die Bude zu bringen», so der Genfer. Der sich natürlich akribisch vorbereitet hatte auf das, was hatte folgen können. So röhrte die Champions-League-Hymne durch die Katakomben des altehrwürdigen Maksimir-Stadions, durch die (nicht sonderlich schalldichten) Mauern der YB-Garderobe hindurch. «Das musste einfach sein... Schliesslich haben wir Historisches geschafft.»

Ein Versprechen tönt anders

Was den Aussenverteidiger aber keinesfalls daran hindern könnte, YB in den nächsten Stunden zu verlassen. Am ehesten Richtung Eintracht Frankfurt, wo YB-Meistertrainer Adi Hütter scharf auf den Rastaman ist. «Es bleiben noch drei Tage. Mal schauen, was da passiert. Aber im Moment bin ich noch ein Spieler von YB.»

Könnte er denn das Team wirklich verlassen? «Es wäre wirklich schwierig nach alldem, was wir erlebt haben. Der Titel nach 32 Jahren. Nun die Qualifikation für die Champions League.» Das würde doch sogar im Herzen wehtun? «Würde es, ja. Aber im Moment bin ich ja noch da.»

Ein Versprechen tönt anders. Das sagt auch Mbabu. «Nein, ich kann nicht versprechen, dass ich bleibe.» Vielleicht ist ja längst alles klar mit der Eintracht. Auch möglich. Und nicht unwahrscheinlich.

Nachfrage beim Sportchef: Christoph Spycher, bleibt Kevin Mbabu – oder geht er doch noch? «Da müssen Sie ihn fragen. Aber mit diesem Spiel in Zagreb haben wir unsere Argumente, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, sicher nicht verschlechtert...»

Die Noten zum YB-Sieg in Zagreb | David von Ballmoos, Note 5: Hatte einen eher ruhigen Abend. Bei Hajrovics Tor chancenlos. War bereit, wenn es ihn brauchte. Sein Löwenanteil am YB-Gesamtsieg war die Wahnsinnsparade im Hinspiel, als er Orsics Gewaltsschlenzer aus dem Lattenkreuz fischte.  (freshfocus)
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Kevin Mbabu, Note 5: Nicht der Hyperaktivität verfallen, wie das bei ihm ein bisschen das Risiko ist. Auch, weil er wusste, dass dieser Orsic am linken Flügel ein ganz gefährlicher Kunde ist.  (imago/Xinhua)
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Grégory Wüthrich, Note 5: War zuerst der «Bölimaa» als er Gavranovics Hereingabe völlig ungenügend und genau vor die Füsse von Hajrovic klärte, der das 1:0 buchte. Machte diesen Bock mit dem tollen Assist auf Hoarau nach Sows Corner wieder gut.  (freshfocus)
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Steve von Bergen, Note 5: Komische Szene, als er den Ball auf dem Boden sitzend nicht wegbrachte. Sonst gewohnt stabil und zweikampfstark.  (KEY)
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Loris Benito, Note 5: Für ihn gilt dasselbe wie für Mbabu: Mit ein bisschen mehr Vorsicht als sonst. Zumal er um die Gefährlichkeit von Gegenspieler Hajrovic wusste. Keine Chance bei dessen Tor und Lattenschuss.  (KEY)
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Christian Fassnacht, Note 5: Er ist nicht in der Form seines Lebens. Hatte aber dennoch massgebenden Anteil am Sieg, als er nach einem YB-Bilderbuch-Konter den Corner herausholte, der zum Millionentor führte.  (imago/Xinhua)
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Djibril Sow, Note 5: Biss sich in dieses Spiel hinein. Man spürte förmlich seinen Willen, keinen Millimeter Maksimir-Rasen kampflos preiszugeben. Schlug den entscheidenden Corner nach Sulejmanis Ausscheiden.  (AP)
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Sékou Sanogo, Note 5: Wie immer gilt für den Ivorer: Kein Vorbeikommen. Zumindest kein schmerzfreies. Verstand seine gelbe Karte nach einem hemdsärmligen Bodycheck nicht. Wir schon. Denn der war reichlich überflüssig.  (imago/Xinhua)
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Miralem Sulejmani, Note 5: Sein Out, so blöd das klingen mag, weckte die Young Boys endgültig! Bis dann bemüht, das Spiel anzukurbeln. Seine Flanke auf Ngamaleu bedeutete die einzige YB-Chance in Halbzeit eins. Konnte im Teamhotel, mit einer Halskrause versehen, seine Kollegen bereits nach vollbrachter Heldentat begrüssen und in die Arme schliessen. Trotz Gehirnerschütterung.  (KEY)
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Nicolas Moumi Ngamaleu, Note 5: Einer der gefährlicheren Berner. Chance nach sieben Minuten, doch sein Kopfball landete genau in Zagoracs Armen.  (AP)
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Guillaume Hoarau, Note 6: Ein Mann, ein Wort. «Ich habe in Bern nicht getroffen. Dann tue ich es eben in Zagreb...» Doppelt. Konzentrierte sich beim wichtigsten Penalty seiner Karriere enorm – und traf. Und stocherte den Ball in Goalgetter-Manier zum 2:1 über die Linie. AirFrance Superstar! 
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Roger Assalé, Note 5: Belebte das YB-Angriffsspiel mit seinem Eintritt entscheidend. Holte den Penalty gegen Leovac raus, als er in Old-School-Manier den Ball links vorbeilegte und sich rechts am Kroaten vorbeiwuselte und diesem so die Chance gab einzuhaken – bis Assalé fiel, Kuipers pfiff und Hoarau traf.  (AP)
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Leonardo Bertone, keine Note: Kam in der 84. Minute für Fassnacht. Zu kurz für eine Bewertung.  (Urs Lindt/freshfocus)
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Michel Aebischer, keine Note: Kam in der 93. Minute für Ngamaleu. Zu kurz für eine Bewertung.  (Urs Lindt/freshfocus)
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