Es ist nicht ganz überraschend, wie Spycher nach der Qualifikation für die Champions League reagiert. Im Gegenteil. Er reagiert so, wie er ist: Geerdet. Ja bodenständig. «Das ist natürlich fantastisch! Aber unser Weg wird sich dadurch nicht ändern. Er hätte sich auch nicht geändert, hätten wir es nicht geschafft. Wir fahren so weiter, wie wir das seit zwei Jahren machen.»

Stolz sei er schon, sagt der ehemalige Bundesliga-Profi. «Eine tiefe Befriedigung ist absolut da! Aber vor allem für die Leute um mich herum und die Fans.»

Die Noten zum YB-Sieg in Zagreb | David von Ballmoos, Note 5: Hatte einen eher ruhigen Abend. Bei Hajrovics Tor chancenlos. War bereit, wenn es ihn brauchte. Sein Löwenanteil am YB-Gesamtsieg war die Wahnsinnsparade im Hinspiel, als er Orsics Gewaltsschlenzer aus dem Lattenkreuz fischte.  (freshfocus)
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Kevin Mbabu, Note 5: Nicht der Hyperaktivität verfallen, wie das bei ihm ein bisschen das Risiko ist. Auch, weil er wusste, dass dieser Orsic am linken Flügel ein ganz gefährlicher Kunde ist.  (imago/Xinhua)
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Grégory Wüthrich, Note 5: War zuerst der «Bölimaa» als er Gavranovics Hereingabe völlig ungenügend und genau vor die Füsse von Hajrovic klärte, der das 1:0 buchte. Machte diesen Bock mit dem tollen Assist auf Hoarau nach Sows Corner wieder gut.  (freshfocus)
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Steve von Bergen, Note 5: Komische Szene, als er den Ball auf dem Boden sitzend nicht wegbrachte. Sonst gewohnt stabil und zweikampfstark.  (KEY)
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Loris Benito, Note 5: Für ihn gilt dasselbe wie für Mbabu: Mit ein bisschen mehr Vorsicht als sonst. Zumal er um die Gefährlichkeit von Gegenspieler Hajrovic wusste. Keine Chance bei dessen Tor und Lattenschuss.  (KEY)
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Christian Fassnacht, Note 5: Er ist nicht in der Form seines Lebens. Hatte aber dennoch massgebenden Anteil am Sieg, als er nach einem YB-Bilderbuch-Konter den Corner herausholte, der zum Millionentor führte.  (imago/Xinhua)
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Djibril Sow, Note 5: Biss sich in dieses Spiel hinein. Man spürte förmlich seinen Willen, keinen Millimeter Maksimir-Rasen kampflos preiszugeben. Schlug den entscheidenden Corner nach Sulejmanis Ausscheiden.  (AP)
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Sékou Sanogo, Note 5: Wie immer gilt für den Ivorer: Kein Vorbeikommen. Zumindest kein schmerzfreies. Verstand seine gelbe Karte nach einem hemdsärmligen Bodycheck nicht. Wir schon. Denn der war reichlich überflüssig.  (imago/Xinhua)
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Miralem Sulejmani, Note 5: Sein Out, so blöd das klingen mag, weckte die Young Boys endgültig! Bis dann bemüht, das Spiel anzukurbeln. Seine Flanke auf Ngamaleu bedeutete die einzige YB-Chance in Halbzeit eins. Konnte im Teamhotel, mit einer Halskrause versehen, seine Kollegen bereits nach vollbrachter Heldentat begrüssen und in die Arme schliessen. Trotz Gehirnerschütterung.  (KEY)
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Nicolas Moumi Ngamaleu, Note 5: Einer der gefährlicheren Berner. Chance nach sieben Minuten, doch sein Kopfball landete genau in Zagoracs Armen.  (AP)
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Guillaume Hoarau, Note 6: Ein Mann, ein Wort. «Ich habe in Bern nicht getroffen. Dann tue ich es eben in Zagreb...» Doppelt. Konzentrierte sich beim wichtigsten Penalty seiner Karriere enorm – und traf. Und stocherte den Ball in Goalgetter-Manier zum 2:1 über die Linie. AirFrance Superstar! 
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Roger Assalé, Note 5: Belebte das YB-Angriffsspiel mit seinem Eintritt entscheidend. Holte den Penalty gegen Leovac raus, als er in Old-School-Manier den Ball links vorbeilegte und sich rechts am Kroaten vorbeiwuselte und diesem so die Chance gab einzuhaken – bis Assalé fiel, Kuipers pfiff und Hoarau traf.  (AP)
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Leonardo Bertone, keine Note: Kam in der 84. Minute für Fassnacht. Zu kurz für eine Bewertung.  (Urs Lindt/freshfocus)
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Michel Aebischer, keine Note: Kam in der 93. Minute für Ngamaleu. Zu kurz für eine Bewertung.  (Urs Lindt/freshfocus)
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Zurück zum Geld. Ein Sportchef, der weiss, dass er eben einen Dreissig-Millionen-Jackpot geknackt hat, muss doch überglücklich sein. Und von grossen Namen träumen. Nicht? «Das steht nicht im Vordergrund», sagt Spycher. « Es war ein guter Schritt für die mittelfristige Zukunft. Diese ist aber nicht von diesem Spiel abhängig. Wie gesagt: Unsere Identität wird sich nicht ändern.»

30 Millionen brutto. Zieht man die Unkosten ab wie Prämien, Reisen, Stadionorganisation, Sicherheit etc. bleiben um die 20 Millionen. Und das ist dann netto! Was passiert mit diesen? «Es gibt genug Beispiele von Vereinen, die wenig daraus gemacht haben.» Klammer auf: Den Namen des FC Thun nimmt Spycher nicht in den Mund. Aber das ist eines jener Beispiele … Klammer zu. «Es ist wichtig, auf dem Boden zu bleiben und sorgfältig mit dem Geld umzugehen. Wir können nun Reserven schaffen für ein Jahr, in welchem wir international nicht vertreten sind.»

Kein Last-Minute-Transfer im Hinblick auf die Königsklasse in den verbleibenden drei Tagen bis Ende der Transferfrist? «Da bleibt nicht wahnsinnig viel Zeit. Im Grossen und Ganzen sind wir mit unserem Kader sehr zufrieden. Wir haben eine gute Qualität, das hat man im Spiel gegen Xamax wieder gesehen. Nein, das Kader wird mehr oder weniger gleich bleiben.»

Wahrscheinlich gibts nur dann noch einen Zuzug, wenn Kevin Mbabu in den letzten Stunden noch gehen sollte. Aber nun wird es noch schwieriger werden, Spieler nach Bern zu holen. Jetzt, da man um den Millionensegen für YB weiss. Spycher: «Billiger werden die Spieler sicher nicht werden …»