Die erste Runde im Schweizer Cup ist längst Geschichte. Aber noch immer schwebt über der Partie zwischen den beiden 2.-Liga-Amateurklubs FC Klingnau und FC Bramois ein Damoklesschwert. Der 7:0-Sieg der Aargauer, denen das Los in der nächsten Runde die Profis von Chiasso bescherte, steht unter Manipulationsverdacht. Die Ermittlungen der interkantonalen Lotterie- und Wettkommission (Comlot) laufen.

Wettanbieter Loterie Romande hatte die Wette kurz vor dem Spiel ausgesetzt. Die Quote für einen Klingnauer Sieg lag bei 7,5:1 – eine enorm hohe Quote für ein Spiel zwischen zwei Teams aus derselben Liga. Die Wette wurde ausgesetzt, weil plötzlich hohe Summen auf ­einen Klingnauer Sieg gesetzt wurden. Bei einem Einsatz von 100 Franken wären 750 Franken ausbezahlt worden. Bis zum Abschluss der Untersuchung werden die fälligen Gewinne nun zurückbehalten.

Wie kam Loterie Romande überhaupt auf diese Quote? Pressesprecherin Danielle Perrette: «Die Quoten werden durch die spezialisierte Firma Betradar (weltweiter Anbieter von Sportwetten mit Steuersitz in St. Gallen, d. Red.) aufgrund sportlicher Parameter festgelegt. Die Quoten werden danach analysiert und durch die Loterie Romande an den lokalen Markt angepasst.» Die Parameter sind Stärkenverhältnisse zwischen den Gegnern, Formstand, verletzte Spieler, Quoten anderer Wettanbieter oder das Wetter.

Betradar ist darauf spezialisiert, Quoten für nahezu alle grösseren Sportereignisse auf der Welt zu ermitteln.  (Screenshot Betradar)

Aber es ist in der Wettbranche ein offenes Geheimnis, dass die Anbieter für ein unbedeutendes Spiel wie Klingnau – Bramois keine eigenen Wetten kreieren und sich an bereits existierenden Quoten orientieren. Gemäss BLICK-Recherchen führt die Spur nach Russland. Zwei russische Buchmacher führten Klingnau als Erste auf dem Markt als krassen Aussenseiter – in der Folge boten viele Wettunternehmen, ohne es zu hinterfragen, ähnliche Quoten an. So entstand diese absurd hohe Quote. Und Klingnau (gemäss Quote klarer Aussenseiter) gewann das Spiel mit 7:0.

Jetzt laufen die Ermittlungen, ob das Spiel manipuliert wurde. Die Partie leitete ein Schiedsrichter aus dem Kanton Bern. Er hat vom SFV einen Maulkorb bekommen. SFV-Sprecher Marco von Ah: «Unsere eigenen Alarmsysteme, die von der Fifa gespiesen werden, haben nichts Verdächtiges ­angezeigt. Die Vergangenheit zeigt, dass unser Präventionsprogramm greift.» Gemäss Spiel-Augenzeugen wie dem Aargauer Schiedsrichter-Obmann Luigi Ponte seien im Spiel keine Auffälligkeiten zu ent­decken gewesen. Also keine Fehlpfiffe oder absichtliches Verlieren.

«Unsere Alarmsysteme haben nichts Verdächtiges angezeigt», sagt SFV-Sprecher von Ah.  (TOTO MARTI)

Womöglich haben sich die Russen bei der Ligazugehörigkeit des ihnen unbekannten FC Klingnau schlicht geirrt und deshalb eine Aussenseiter-Quote kreiert, die danach weltweit die Runde machte und viel zu attraktiv wurde! Ist es nur Zufall, dass es danach ein eher ­kurioses 7:0 gab? Die Untersuchungen werden es zeigen.