Plötzlich steht Stephen Odey (20) im Rampenlicht! Weil im August mit Raphael Dwamena (22) und Michael Frey (24) zwei Angreifer den FCZ verlassen, ist Odey der einzige Stürmer im Kader. Zumindest bis zur Ankunft einer Neuverpflichtung, die Zürich ­intensiv sucht. Odey: «Für mich ändert sich nichts. Ich arbeite weiterhin hart, versuche dem Team zu helfen und so viele Tore wie möglich zu erzielen.»

Dass Odey nun im FCZ-Fokus steht, wird auch in Nigeria genau registriert. Der Stürmer wuchs ohne Armutssorgen in einem Mittelstandsquartier im Hauptstadt-Millionen-Moloch Lagos auf. «Viele Bekannte und Freunde sind wegen mir FCZ-Fans ­geworden. Es sind schon viele Trikots im Umlauf», sagt Odey schmunzelnd. Klar, dass auch seine zwei Brüder, seine Schwester und seine Mutter aus der ­Ferne die Daumen drücken. «Ich vermisse sie sehr», sagt er, und meint auch seinen Dad.

«Mein Vater ist gestorben, als ich 15 Jahre alt war. Er starb eines Nachts im Bett neben mir. Das war sehr hart, doch das ­Leben muss weitergehen», erzählt Stephen traurig sein ­Familien-Drama. Der Vater war an Malaria erkrankt. «Es war lange Zeit unbemerkt in seinem Körper. Er arbeitete beim Militär und dachte stets, dass ihm nichts etwas anhaben kann.»

Vater plante Armeekarriere für Odey

Doch so brutal es klingt: Ohne den Tod des Vaters wäre Odey heute kaum Profi-Fuss­baller. Als Kind kickt er zwar in ­jeder freien Minute auf dem Kunstrasen gleich neben dem Elternhaus. «Mein Vater wollte nicht, dass ich Fussball spiele, und sah für mich eine Armeekarriere vor. Er war bei der Luftwaffe», erzählt der 20-Jährige. Sein Talent ist zwar in der Schule unübersehbar, aber selbst ein Angebot der Barcelona-Akademie in Lagos konnte den Papa nicht erweichen.

Der Fussball-Zug scheint abgefahren. Da erinnert sich der Coach des Mountain of Fire and Miracles FC (kurz MFM FC) an Stephen, den er aus der Schule kannte. Odey tritt als 18-Jähriger (!) erstmals einem Klub bei – der MFM FC steigt sofort in die erste Liga auf, wo Odey sogleich Topskorer wird.

Mit 19 Jahren folgt das Nati-Debüt und der FCZ-Transfer. Was für ein Blitz-Aufstieg! Odey: «Das Nati-Aufgebot ist immer noch unglaublich. Es gibt 190 Millionen Nigerianer. Und dann ruft der Nati-Trainer mich an, der nie in einer ­U-Mannschaft gespielt hat.»

In Zürich kämpft er noch mit der deutschen Sprache, aber fussballerisch attestiert ihm Trainer Ludovic Magnin grosse Fortschritte. Nun dürfte Odey bald wieder Konkurrenz im Sturm kriegen: Aber der Nige­rianer spielt sowieso lieber in ­einem Zweimannsturm!