Es war wieder einmal ein Klassiker, den man nicht so schnell vergisst. In der 67. Minute schliesst Stephen Odey herrlich aus der Drehung ab und haut das Leder in den Netzhimmel – ein Traumtor. Doch zum Schock aller FCZ-Fans und des nigerianischen Stürmers pfeift Schiri Bieri die Aktion zurück, sein Assistent hat die Fahne gehoben.

Wie die TV-Bilder zeigen, zu Unrecht. Odey steht auf gleicher Höhe wie die FCB-Defensive. Der FCZ schäumt, allen voran Trainer Ludovic Magnin fühlt sich betrogen: «Das beweist einfach nochmals, dass der Video-Beweis in der Schweiz kommen muss. Wir wurden nun in zwei Spielen zweimal zurückgepfiffen. Das tut weh.» Dass er bald kommt, glaubt Magnin nicht: «Wir wissen ja, dass in der Schweiz alles fünf Jahre länger dauert als in anderen Ländern.»

Alain Nef erfährt von BLICK, dass das Tor von Odey eigentlich regulär gewesen wäre. «Das sagst du mir jetzt … dann ist es noch bitterer.» Ja, in Zürich hallt dieser Fehlentscheid noch nach. Aber Goalie Brecher sagt: «Das ist jetzt das zweite Mal in dieser Saison. Aber ich hoffe, dass auch mal auf der anderen Seite so gepfiffen wird.»

Video-Wirbel in Deutschland

Ob der Videobeweis in der Schweiz die ideale Lösung wäre, steht in den Sternen. An der WM funktionierte der VAR reibungslos. Doch das vergangene Wochenende, der Startschuss in die neue Bundesliga-Saison, offenbarte die Probleme mit den «Kellerkindern von Köln».

Zwischen Wolfsburg und Schalke revidiert Schiri Ittrich gleich zweifach eine zuvor getroffene Entscheidung. Chaos pur in der VW-Arena! Selbst der ehemalige deutsche Spitzenref Markus Merk sagt als «Sky»-Experte: «Ich verstehe es nicht mehr.»

In den Debatten zur Aufarbeitung des Bundesliga-Spieltags ist der VAR Thema Nummer eins. In der Expertenrunde von «Sky 90» sagt Dietmar Hamann: «An der WM haben Leute aus Tansania, Panama und Paraguay hervorragend zusammengearbeitet. In Köln schaffen es die gleichen Leute jede Woche nicht, es hinzukriegen.»

Wer bezahlt die Kosten?

In der Schweiz ist der VAR eine Option. «Es werden Rahmenbedingungen wie Kosten, Personalaufwand und Ausbildungsanforderungen. Organisatorisch ist es eine höchst komplexe Materie» , sagte SFL-Sprecher Philippe Guggisberg im Mai zu BLICK. Die Einführung käme frühestens zur Saison 2019/2020.

Ein Knackpunkt sind sicherlich die Kosten. In Deutschland kostet der Videobeweis jährlich 2 Mio. Franken, der seit dieser Saison von den 18 Klubs getragen wird. Hierzulande wäre es die Hälfte. Ein Betrag, der für die 10 Super-League-Vereine stärker ins Gewicht fallen würde.