Er weint. Kann sich kaum beruhigen. Er ist vor Glück überwältigt. Antoine Griezmann, der Held Frankreichs, berührt mit seinen Emotionen nach dem gewonnenen WM-Final die Herzen vieler Zuschauer. Er, der mustergültige Schwiegersohn, der so bodenständige und loyale, aber so starke Wirbelwind, der sein Geld bei Atletico in Madrid verdient und seinen Vertrag erst jüngst bis 2023 mit den Worten «wegen der Liebe und des Herzens» verlängert hat.

Griezmann kann seine Emotionen nach dem Sieg gegen Kroatien kaum zurückhalten.  (imago/Icon SMI)

Mit vier Toren und drei Vorlagen ist er neben Kylian Mbappé die grosse Figur der Franzosen an diesem Turnier. Mit seinem goldenen Linksfuss entscheidet er auch den Final gegen Kroatien (1 Tor, 1 Assist) und wird anschliessend zum «Man of the Match» gewählt. Dass er vor dem 1:0 einen Freistoss mit einer Schwalbe erschwindelt, wird im Nachhinein zur Nebensache.

Für Griezmann ist der Weltmeistertitel die prestigeträchtige Krönung einer starken Saison. Wettbewerbsübergreifend schiesst er bei Atletico 29 Buden in 49 Partien. Beim 3:0-Sieg gegen Marseille im Europa-League-Final ist er mit zwei Treffern wiederum die entscheidende Figur. Viele fragen sich deshalb: Könnte der Franzose Weltfussballer 2018 werden? Der Erste seit 2007 und Kakà, der nicht Ronaldo oder Messi heisst? Ist die Zeit wirklich reif? Griezmann selbst sagt kühl: «Mir ist der Ballon d'Or egal». Und die Konkurrenz gross.

Zum ersten Mal seit 2007 könnte der Weltfussballer demnächst nicht Messi und nicht Ronaldo heissen.  (AP)

Da wäre Luka Modric (32), der Captain der Kroaten, der sein Land spektakulär in den Final in Russland führt und mit zwei Treffern, einem Assist und viel Leidenschaft auf dem Platz auffällt. Er wird zum besten Spieler des Turniers gewählt. Und Modric hat auch mit Real Madrid überzeugt. Zum dritten Mal in Folge holt er mit den Königlichen die Champions League. Klar, dass der beidfüssige Zehner als heisser Kandidat für die «Fifa The Best»-Trophäe gehandelt wird.

Weltfussballer-Wahl im September

Aber man muss auch Lionel Messi und Cristiano Ronaldo immer auf dem Zettel haben. Messi hat in der Saison 2017/18 am meisten Tore (34) und am meisten Assists (12) in der spanischen Liga verbucht und mit Barça die Meisterschaft und den Cup geholt. Ronaldo führt Real Madrid zum dritten Champions-League-Titel in Folge, glänzt mit 44 Toren in 44 Partien. Und auch Harry Kane von Tottenham (41 Tore in 48 Spielen), oder Liverpools Mohamed Salah (44 Tore in 52 Spielen) sind mögliche Spieler für den Weltfussballer-Titel. Auch Kylian Mbappé muss an dieser Stelle genannt werden, die Wahl zum besten Jungprofi der WM und eine überragende Saison bei PSG sind Argumente genug.

Oder überrascht Salah alle?  (AFP)

Die Chancen, dass nach 10 Jahren die Ronaldo-Messi-Ära zu Ende gehen könnte, sind zumindest intakt. Eine Jury, bestehend aus Fifa-Legenden, wird demnächst eine Vorauswahl mit zehn Kandidaten veröffentlichen. Aus dieser Liste wählen Journalisten, Fans, Nationaltrainer und Captains dann den Weltfussballer 2018. Die Entscheidung wird am 24. September in London bekanntgegeben.