Wer wissen will, was von der WM bleibt, muss auf den Pausenplatz. Dort redet kein Kind von «vertikalem Spiel» oder «Gegenpressing». Dafür kursiert ein neues Schimpfwort für vermeintliche Schwächlinge: «Du Neymar!» Wenn Neymars blondierte Spaghetti-Frisur nirgends zu sehen ist, dafür sein Name zum Schimpfwort wird, hat der talentierteste Fussballer der Gegenwart alles falsch gemacht.

Auch alles falsch gemacht hat Diego Maradona. 32 Jahre nachdem er Argentinien zum Titel geführt hat, zeigt er auf der Tribüne den Stinkefinger, tanzt wirr, muss gehalten werden, damit er nicht berauscht über die Balustraden fällt, schläft ein, bricht zusammen. Ein dickes Häufchen Elend, das einst Gott auf dem Rasen war. Ein menschliches Desaster.

Seit dieser WM sind auf dem Pausenplatz auch neue Jubelgesten hip. Den Griezmann-Jubel spricht fast jeden Schüler an, weil er ihn schon kennt: aus Fortnite, einem Baller-Game. Und auch der «Füdli-Schwenker» von Griezmann-Kollege Umtiti wiegt sich im Erfolg. Der ist auch für Lehrer und Eltern pausenplatz- und salonfähig. Im Gegensatz zu anderen Jubel­gesten. Da hat es der Doppel­adler doch sehr viel schwieriger.

Was bleibt noch von der WM? Dass sich Lehrer mit Pausen­aufsicht die Einführung von VAR wünschen. Kleine Helferlein vor dem TV, die belegen könnten, welcher Knirps den Streit begonnen, zuerst «Du Neymar!» gesagt hat. Der Videobeweis hat sich auf dem Fussballplatz bewährt. Bald auch auf dem Pausenplatz?

Und was ist mit neuen Helden? Maradona ist längst keiner mehr. Neymar hat seine Chance versiebt, und aus Deutschland und Spanien kommen sie auch nicht: Die neuen Helden des Pausenplatzes heissen Rakitic, Hazard, Kane und Mbappé.