Jung, keck und wieselflink auf vier Rädern! Wenn Lena Müller (15) auf ihrem Skateboard anrollt, rollt mit ihr auch eine neue olympische Sportart heran. In Tokio 2020 geht’s erstmals auf der früher im Volksmund «Rollbrett» genannten Unterlage in den zwei Disziplinen «Park» und «Street» olympisch zur Sache.

Müller sagt voller Vorfreude: «Olympia ist ein Traum, der in Erfüllung gehen kann.» Die Teenagerin aus Nesslau SG ist unsere grosse Hoffnung bei den Frauen. Bei den Männern? Simon Stricker (27) und Iouri Podlatchikov (30) – ja, der Snowboard-Olympiasieger plant wie auch Halfpipe-Erzrivale Shaun White die Sommer-Spiele.

Auch die zwei Superstars in der Snowboard-Halfpipe sind passionierte Skater.  (KEY)

Aber auch die junge Lena fährt stark Snowboard. Viele Tricks gleichen sich, auch wenn im Skateboard keine Saltos möglich sind. «Unmöglich, mich für eine der beiden Sportarten zu entscheiden. Für mich ist es die perfekte Verbindung. Meine Mutter ist Snowboard-Lehrerin, zuerst bin ich im Schnee gefahren. Fürs Training habe ich mit Skateboard begonnen, was auch riesig Spass macht», sagt die Toggenburgerin, die mit 11 Jahren auf dem Snowboard acht Wirbel bricht und drei Monate im Korsett verbringt.

Erste Skaterin an ihrer Sportschule

Doch nun skatet Lena Richtung Tokio. Obwohl sie sich 2019 zuerst qualifizieren muss, öffnen sich schon jetzt neue Türen. Weil ihr Sport olympisch ist, besucht sie als erste Skaterin in St. Gallen die United School of Sports. Also die auf Spitzensport-Nachwuchs ausgerichtete Ausbildungsstätte, die Training und Schulbildung verbindet und mit einem KV-Abschluss endet.

Skateboard macht Schule! Müller drückt nun mit Fussballern, Handballern, Synchronschwimmerinnen, Reiterinnen, Skifahrern und Snowboardern die Schulbank. «Die Mitschüler finden es cool, dass ein Mädchen skatet», sagt Lena. «Und mir gefällt der Einblick in andere Sportarten, man kann bei allen etwas mitnehmen.» Trainieren tut sie täglich. Im Skatepark in St. Gallen, in einer privaten Halle in Bazenheid SG oder mit Nationaltrainer Sascha Leutwyler in Winterthur.

Lena Müller mit dem Verbandspräsidenten Urs Morgenegg (l.) und dem Nati-Coach Sascha Leutwyler.  (Benjamin Soland)

Der Verband «Swiss Skateboard» wurde von Präsident Urs Morgenegg bereits 2006 gegründet. «Wir haben auf die baldige Olympia-Aufnahme spekuliert und konnten erste Strukturen schaffen. Aber es gibt noch viel zu tun», sagt er.

Auch Überzeugungsarbeit – wie am Anfang bei den Snowboardern ist die Szene gespalten: Ist der Olympia-Status cool oder zerstört er die Identität des Freestyle-Sports? Lena sagt dazu fröhlich: «Jeder soll seine Meinung haben. Ich gehe auf jeden Fall nach Tokio, wenn ich kann!»

******************

Neue Olympia-Sportarten neben Skateboard

Karate:
Elena Quirici (24) ist zweifache Europameisterin und will Olympia-Edelmetall. Mit Ramona Brüderlin, Fabienne Kaufmann und Noemie Kornfeld kommen weitere Karate-Ladies für einen Olympia-Start in Frage. Aber Achtung: Nur die acht weltbesten Frauen kriegen ein Ticket! Bei den Männern sind Noah Tony Pisino und Julian Shane Kandidaten.

Klettern:
Extra für die Premiere in Japan wurde ein neuer Mehrkampf-Modus mit den drei Kletter-Disziplinen Lead, Speed und Bouldern kreiert. Unsere ganz grosse Hoffnung auf Premieren-Gold: Boulder-Weltmeisterin Petra Klingler (26)!

Baseball/Softball:
Bei den Männern (Baseball) belegt die Schweiz in der Weltrangliste Platz 44, bei den Frauen (Softball) Rang 32. Das bedeutet: Auf eine Olympia-Quali haben die beiden Teams keine Chance, nur die weltbesten Teams werden in Tokio um die Medaillen kämpfen.

Surfen:
Es wäre eine Sensation, wenn unter den 20 Männern und 20 Frauen eine Schweizer Vertretung wäre. Für die Qualifikation sind die World Tour 2019 oder die World Surfing Games 2019 oder 2020 entscheidend. Aber selbst für die Surf-Nationen wird es hart: Nur zwei Athleten pro Land dürfen nach Tokio. In den USA, Brasilien oder Australien wird der nationale Cut brutaler als danach an Olympia der Medaillenkampf!