Am 17. Februar 2018 stellt Ester Ledecka die Ski-Welt auf den Kopf. Mit geliehenen Skis rast sie im Olympia-Super-G von Pyeongchang zur Bestzeit. Und ist damit für eine der grössten Sensationen der Sportgeschichte verantwortlich. Sie, die Tschechin! Sie, die zuvor in dieser Disziplin nie besser als 19. war! Sie, die eigentlich Snowboarderin ist und nur wenige Skirennen bestreitet! Während Anna Veith ihr Sieg-Interview abbricht, Lindsey Vonn den Kopf schüttelt und Lara Gut als Vierte Bronze verliert und weint, schüttelte Ledecka ungläubig den Kopf. Gold, verrückt!

Und heute? Da schüttelt Ledecka («Ich habe plötzlich viele Heiratsanträge erhalten») erneut den Kopf. Allerdings vor Wut und nicht vor Freude. Es geht dabei – wie könnte es anders sein – ums Liebe Geld. Ihr Privatteam will einen grösseren Teil ihres Renndresses und des Helms vermarkten, als dies dem tschechischen Verband lieb ist. «Nach den Olympischen Spielen hat sich der Marketingwert Esters dramatisch gesteigert. Jetzt geht es darum, wer wie viel vom Kuchen abbekommt», sagt Jiri Kejval, der Leiter des Nationalen Olympischen Komitees, bei «CT24». Der Tenor ist klar: Er findet, der ganze Verband soll von Ledeckas Erfolgen – sie wurde auch Olympiasiegerin im Snowboard – profitieren.

Die 23-Jährige dagegen beruft sich auf die hohen Ausgaben, die sie mit ihrem «Zweisport-Team» seit jeher hat. Viele Reisen, viele Trainer, viel Material. Esters Vater Jan Ledecky, ein Schlager-Star in Tschechien, fährt hartes Geschütz auf. Er spricht von Erpressung, weil der Verband Ledecka nicht starten lassen wolle, ehe seine Tochter den neuen Werbevertrag unterschreibt. «Diese Anschuldigungen weisen wir zurück», entgegnet der Vabandsvorsitzende Lukas Sobotka gegenüber der Agentur «CTK».

Papa Ledecky bleibt dennoch hart. Und droht mit einem Nationenwechsel. «Wenn es nicht klappt, wird Ester für ein anderes Land fahren.» Esters Manager David Travnicek versucht dagegen, etwas Schärfe aus dem Disput zu nehmen. Kein Wunder, schliesslich weiss er, was es für einen Länder-Übertritt bräuchte: Das Einverständnis des Verbandes. Und viel Geduld. «Wir sind davon überzeugt, dass sie weiterhin die Tschechische Republik vertreten wird.» Ausgestanden ist der Streit damit freilich noch nicht.