Was für ein Drama in New York! Im geschlossenen Arthur-Ashe-Stadion will sich Serena Williams vor Heimpublikum ein Denkmal schaffen. Der bald 37-Jährigen fehlt noch ein Grand-Slam-Titel, um mit Rekordhalterin Margaret Court gleichzuziehen. Doch an diesem Samstagnachmittag kommt alles anders. Und das hat zwei Gründe:

Erstens ist da die 20-jährige Japanerin Naomi Osaka. Die Überraschung des Turniers zeigt hervorragendes Tennis und ist im ersten Satz eine Klasse besser als Williams – die sie als ihr «grosses Idol» bezeichnet. Dementsprechend verdient holt sich Osaka den ersten Satz mit 6:2.

Zwei entscheidende Momente: Illegales Coaching und Re-Break von Osaka

Im zweiten Durchgang läufts dann so, wie es sich die Fans in New York vorgestellt haben. Williams findet zu ihrem Power-Spiel, zieht mit Break auf 3:1 davon. Doch Osaka hat keinen Bock aufs Drehbuch. Sie behält die Nerven und schlägt eiskalt mit dem Re-Break zurück.

Es ist einer von zwei entscheidenden Momenten des Spiels. Der andere geschah kurz davor: Schiedsrichter Carlos Ramos verwarnt Williams wegen unerlaubten «Coachings» ihres Trainers. Die 23-fache Grand-Slam-Siegerin ist ausser sich, tobt! Nach dem Re-Break von Osaka zertrümmert sie ihr Racket, schreit den Referee wutentbrannt an: «Ich habe noch nie in meinem Leben betrogen!» Schiedsrichter Carlos Ramos bleibt cool, verwarnt Williams ein zweites Mal.

Game-Abzug für Williams wegen «Dieb»-Beleidigung

Die erfahrene Serena Williams kriegt sich in der Folge aber nicht mehr ein. Während des Seitenwechsels beim Stand von 3:4 sagt sie zu Ramos, er habe ihr einen Punkt gestohlen. «Sie sind ein Dieb!»

Zu viel des guten für den Schiedsrichter: Ramos bestraft Williams mit einem ganzen Game. Die Amerikanerin fordert den obersten Schiedsrichter zu sehen, doch es nützt alles nichts mehr: 3:5 für Osaka.

Naomi Osaka gewinnt ihren ersten Grand-Slam-Titel. 
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Die Japanerin zeigte ein tolles Final – vom ersten bis zum letzten Aufschlagsspiel. 
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Es ist der erste Grand-Slam-Titel für Japan überhaupt.  
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Serena Williams muss sich in zwei Sätzen mit 2:6 und 4:6 deutlich geschlagen geben. 
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Dabei wollte die Lokalmatadorin sich in New York verewigen. Mit dem 24. Grand-Slam-Titel wäre sie zu Rekordhalterin Margaret Court aufgeschlossen. Wäre. 
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Stattdessen zeigte sich Williams als schlechte Verliererin. Sie beschimpfte den Schiedsrichter mehrfach. 
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Nannte ihn auch einen «Dieb».  
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Das kostete ihr ein Game – Strafabzug! 
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Am Ende zeigte sich Williams dann wieder von ihrer guten Seite. Bei der Siegerehrung rief sie das Publikum auf, Osaka für ihre gute Leistung zu feiern. 
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Die Japanerin ist eine Newcomerin in der Tennis-Szene, zumindest auf der ganz grossen Bühne. 
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Mit dem ersten Grand-Slam-Titel ist nun vieles möglich. 
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Williams bringt ihr Aufschlagsspiel noch durch, dann macht die Newcomerin Osaka aber kurzen Prozess. Ihren zweiten Matchball nützt sie zum ersten Grand-Slam-Titel einer Japanerin. Die Tränen fliessen – auf beiden Seiten.

Bei der Siegerehrung zeigt Serena Williams wieder ein anderes Gesicht. Sie fordert die wütenden Fans im Arthur-Ashe-Stadion dazu auf, Osaka für ihr tolles Tennis zu ehren.

Sexismus-Vorwürfe

Auf der Pressekonferenz nach dem Final geht Serena dann wieder in die Offensive. Sie unterstellt Umpire Carlos Ramos Sexismus. «Männer haben zu Schiris schon viel schlimmere Dinge gesagt. Ich bin hier, um für Frauenrechte und Gleichberechtigung zu kämpfen. Dass er mir ein Game klaut, fühlt sich sexistisch an. Männern hat er für das Wort ‹Dieb› noch nie ein Game abgezogen.»

Doch damit nicht genug: Auch über einen Vorfall in der ersten Turnierrunde, als die Französin Alizé Cornet für einen Shirt-Wechsel bestraft wurde, regt sich Serena auf: «Das ist unglaublich. Sie sollte doch ohne Bestrafung auf dem Platz ihr Shirt ausziehen dürfen.»

Die US-Amerikanerin will auch in Zukunft für die Gleichberechtigung auf dem Tennis-Court kämpfen. «Vielleicht zahlt es sich für mich nicht aus. Aber für die Frauen, die nach mir kommen, wird es sich auszahlen.» Danach verlässt Williams ohne weitere Fragen zu beantworten unter Applaus den Medienraum. (nim/cmü)