Wer an Virtual Reality denkt, hat zumeist das Bild eines Gamers im Kopf, der sich innerhalb aufregender Spielwelten im 360-Grad-Modus bewegt. Dass mit der virtuellen Realität auch andere Erlebnisse ermöglicht werden, zeigen die wöchentlichen BLICK-VR-Videos – von beliebten Reisezielen über Demonstrationen bis hin zu neuen Entdeckungen an versteckten Orten. Es war nie einfacher, ein Ereignis aus der Ferne so nah zu erleben. Ganz so, als wäre man selbst vor Ort. Jetzt zeigt sich: Auch die Medizin kann davon profitieren. Das Hamburger Start-up Vireed hat gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf das Projekt «Vireed Med» ins Leben gerufen. Rund 400 Medizinstudenten nehmen an einer VR-Studie teil, die im nächsten Jahr startet.

Im Fokus stehen lebensrettende Massnahmen. Beispielsweise wird ein Herzstillstand simuliert. Von jetzt auf gleich wird der Student plötzlich zum Arzt und muss richtig reagieren. «Dabei geht es darum, Studenten vom ersten Semester an mit Virtual-Reality-Schulungen fit für den klinischen Praxisalltag zu machen.», heisst es auf Anfrage. Die medizinische VR-Education-Plattform soll zudem einen besseren Austausch zwischen Studenten, Ärzten und Fachpersonal ermöglichen.

Medizin-Anfänger büffeln im Home Office

Für die Studenten bedeutet das, dass sie bequem von Zuhause aus medizinische Eingriffe durchführen können – ohne dabei reale Menschenleben zu gefährden. Ein Reporting-Tool zeigt vorhandene Defizite auf. So können die erbrachten Leistungen jederzeit eingesehen und gesteigert werden. Und: Per Livestream können die Medizin-Studenten dem Chirurgen bei einer Operation über die Schulter schauen. Im realen Arbeitsalltag wäre das allein aus Platzgründen nicht möglich.

Ein erster Praxis-Test hat gezeigt: «Durch den engen Austausch mit unseren Partnern wird unsere Plattform kontinuierlich von Ärzten und Studenten genutzt. Das Feedback ist sehr positiv. Natürlich zählt auch immer ein bisschen Vorstellungskraft dazu, da unsere Plattform noch eine Weile in der Entwicklung stecken wird», sagt Vireed-CEO Nick Wiese.

Sobald die Ausbildung abgeschlossen ist, sollen Fort- und Weiterbildungen sowie diverse Pflichtschulungen angeboten werden, damit auch Ärzte und medizinisches Fachpersonal aus anderen Bereichen erreicht werden können. (vh)