Neue Regeln für Salt und Co. Bald ist die Roaming-Abzocke Geschichte!(00:49)

Diese Rechte erhalten Telekom-Kunden ab 2021Bald ist die Roaming-Abzocke Geschichte!

Das Schweizer Fernmeldegesetz wird auf den Jahreswechsel hin revidiert. BLICK zeigt die bedeutendsten Verbesserungen für Schweizer Konsumenten.
PIUS KOLLER
2021 tritt das revidierte Fernmeldegesetz in Kraft. Das bringt Verbesserungen für Schweizer Konsumenten.
imago images/MIS
Vor allem die Roaming-Bedingungen verbessern sich. In Zukunft sind gekaufte Datenpakete bis zu einem Jahr gültig.
PD
Telekom-Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland sagt zur neuen Regelung: «Das ist ein riesiger Fortschritt!»
tillgmuer.com
Und Expertenkollege Oliver Zadori von der Vergleichsplattform Dschungelkompass sagt: «In Zukunft müssen Kunden die Kostenlimite für Roaming selbst festlegen. Somit können sie eine tiefere wählen oder die vorgeschlagene Limite bewusster wahrnehmen.»
PIUS KOLLER
Bisher hatten die Anbieter die Kostenlimite festgelegt – Salt zum Beispiel bei 500 Franken.
Keystone
Callcenter, die nicht im Telefonbuch eingetragen sind, machen sich neu strafbar. Ob die nervigen Anrufe damit aufhören, ist allerdings zu bezweifeln.
Levin Stamm

Neues Jahr, neue Regeln! Das gilt insbesondere auch für die Telekom-Branche. Anbieter wie Sunrise, Swisscom, Salt und Co. müssen sich ab diesem Jahr dem revidierten Fernmeldegesetz anpassen. Die Sparfüchse freuts.

Denn für Konsumentinnen und Konsumenten bietet die Gesetzesrevision entscheidende Verbesserungen zur Schonung der Haushaltskasse.

Transparentere Roaming-Bedingungen

Pünktlich zum Start der Sommerferien 2021 profitieren Reiselustige von deutlich besseren Roaming-Konditionen. Die wichtigste Neuerung betrifft laut Ralf Beyeler (42) die Roaming-Pakete. «Ab dem 1. Juli 2021 müssen gekaufte Roaming-Pakete eine Mindestgültigkeit von zwölf Monaten haben. Das ist ein riesiger Fortschritt!», sagt der Telekom-Experte vom Online-Vergleichsdienst Moneyland.

Momentan verfallen die meisten Datenpakete nach 30 Tagen – können also trotz verbleibendem Datenvolumen bei den nächsten Ferien nicht wiederverwendet werden. Das schmerzte das Konsumenten-Portemonnaie bisher und bescherte den Konsumentenschutzorganisationen viele Anfragen und Ärger-Emails.

Roaming-Abzocke nicht mehr möglich

Expertenkollege Oliver Zadori (37) vom Vergleichsportal Dschungelkompass bläst ins selbe Horn. Für ihn zudem von besonderer Bedeutung: «In Zukunft müssen Kunden die Kostenlimite für Roaming selbst festlegen. Somit können sie eine tiefere wählen oder die vorgeschlagene Limite bewusster wahrnehmen.» So sollen unschöne Überraschungen beim Surfen im Ausland verhindert werden.

Vor allem Telekom-Anbieter Salt hat mit der bisherigen Regelung beim einen oder anderen Konsumenten für einen teuren Aufenthalt im Ausland gesorgt. Denn: «Bei Salt liegt die vordefinierte Höchstgrenze für Roaming bei 500 Franken. Im Gegensatz zu 100 Franken bei Sunrise und 200 Franken bei der Swisscom», sagt Zadori.

Zahlen im Sekundentakt

Was sich für Telekom-Kunden im Ausland zusätzlich ändert: Ab Juli müssen die Mobilfunk-Riesen Telefongespräche im Ausland auf die Sekunde genau abrechnen.

Für Experte Beyeler eine entscheidende Verbesserung für den Konsumenten: «Wer für 61 Sekunden telefoniert, zahlt momentan den Tarif für ganze zwei Minuten. Bei längeren Ferienaufenthalten geht das kräftig ins Geld. Diese Abrechnung ist in Zukunft nicht mehr möglich.»

Auch Oliver Zadori begrüsst die Änderung. Er relativiert aber: «Mit zunehmenden Möglichkeiten der Online-Telefonie und der steigenden Anzahl an Abos mit Inklusivminuten verliert diese Neuerung an Bedeutung.»

Nervige Callcenters machen sich neu strafbar

Was viele Konsumenten ebenfalls freuen wird. Ab dem 1. Januar machen sich Callcenter mit einer nicht im Telefonbuch eingetragenen Nummer strafbar. Das ist dank einer Änderung des Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb möglich.

Ignorieren Werbeanrufer zudem den Sterneintrag im Telefonbuch, müssen sie ebenfalls mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Für Zadori erfreulich: «Das betrifft nicht nur die ausführenden Callcenter, sondern auch die auftraggebenden Firmen.»

Branchenkollege Beyeler sagt aber: «Mir fehlt der Glaube, dass die neue Regelung effektive Verbesserungen für den Konsumenten bringt.» Denn: «Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel! Die Callcenter werden neue Wege finden, um die strengeren Vorschriften zu umgehen. Vor allem solche im Ausland.»

2G-Geräte bald unbrauchbar

Im Fernmeldegesetz nicht inbegriffen, für Konsumenten aber von grosser Bedeutung: Ab 2021 zieht mit Swisscom der erste grosse Telekom-Anbieter dem 2G-Netz den Stecker. Die anderen grossen Telekom-Player werden in den nächsten Jahren nachziehen.

Das betrifft vor allem das ältere Semester. Sie können ältere Natels mit ausschliesslicher 2G-Funktion nicht mehr gebrauchen. Doch aufgepasst: Auch Geräte wie Alarmanlagen oder GPS sind von der Abschaltung unter Umständen betroffen.

Darum zahlen wir im Ausland noch immer fürs Surfen drauf

Roaming-Gebühren sind für viele Europäer längst ein Fremdwort. Seit Juni 2017 gilt für Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) beim Surfen, Telefonieren und SMS-Schreiben der Inlandstarif in allen Mitgliedsstaaten. Schweizer sind von dieser attraktiven Regelung ausgeschlossen – sie müssen noch immer die teuren Roaming-Tarife der Schweizer Telekom-Anbieter berappen. Mit Schweizern, die im Ausland in die Roaming-Falle tappen, machen sie noch immer den grossen Reibach. Mehrere hundert Millionen Franken sind es pro Jahr. Das müsste nicht sein: Kurz nach dem EWR-Entscheid reichte CVP-Politikerin Elisabeth Schneider-Schneiter eine Motion zur Abschaffung der Roaming-Gebühren ein. Zwei Jahre später wurde sie auf Empfehlung des Bundesrates vom Nationalrat bachab geschickt. Telekom-Experte Ralf Beyeler: «Die EU dürfte sehr wohl an einer Harmonisierung der Roaming-Tarifen mit der Schweiz interessiert sein. Es ist wohl aufgrund des fehlenden Willens unserer Politiker und dem Lobbying der Telekom-Anbieter, dass die Schweiz diesbezüglich bisher keinen Kontakt zur EU aufgenommen hat.» Levin Stamm

Roaming-Gebühren sind für viele Europäer längst ein Fremdwort. Seit Juni 2017 gilt für Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) beim Surfen, Telefonieren und SMS-Schreiben der Inlandstarif in allen Mitgliedsstaaten. Schweizer sind von dieser attraktiven Regelung ausgeschlossen – sie müssen noch immer die teuren Roaming-Tarife der Schweizer Telekom-Anbieter berappen. Mit Schweizern, die im Ausland in die Roaming-Falle tappen, machen sie noch immer den grossen Reibach. Mehrere hundert Millionen Franken sind es pro Jahr. Das müsste nicht sein: Kurz nach dem EWR-Entscheid reichte CVP-Politikerin Elisabeth Schneider-Schneiter eine Motion zur Abschaffung der Roaming-Gebühren ein. Zwei Jahre später wurde sie auf Empfehlung des Bundesrates vom Nationalrat bachab geschickt. Telekom-Experte Ralf Beyeler: «Die EU dürfte sehr wohl an einer Harmonisierung der Roaming-Tarifen mit der Schweiz interessiert sein. Es ist wohl aufgrund des fehlenden Willens unserer Politiker und dem Lobbying der Telekom-Anbieter, dass die Schweiz diesbezüglich bisher keinen Kontakt zur EU aufgenommen hat.» Levin Stamm